Ein Mensch – Ein Wort

Personal Trainer kann jeder werden. Von jetzt auf gleich kannst du dich Personal Trainer nennen. Der Begriff ist nicht geschützt, es gibt keine Ausbildungsstandards und keine staatliche Institution schert sich einen feuchten Kehricht darum, was ein Personal Trainer eigentlich tut oder wer sich als solcher bezeichnet. Vom Fliesenleger bis zum IT-Unternehmer habe ich schon von den unterschiedlichsten Leuten gehört, dass sich einen „Quereinstieg“ in mein Gewerbe vorstellen können. Sozusagen als Notlösung, wenn alles andere gescheitert ist. Ein tolles Netzwerk aus lauter wohlhabenden Kunden und den ganzen Tag Sport treiben – herrlich dieser Job. Personal Trainer trainieren einfach ständig selbst und hin und wieder darf einer mit machen und zahlt dafür einen Haufen Asche. Soviel zur Idee, nun kommen wir einmal zur Wirklichkeit.

softwaretools & exceltabellen

Als Betreiber einer CrossFit Box und Personal Training „Agentur“ (in Wirklichkeit begann ich wegen Zeitmangels Kundenanfragen an ausgewählte Personal Trainer zu vermitteln und partizipiere hier ein bisschen mit) bin ich immer auf der Suche nach fähigen Personal Trainern und Leuten, die dies werden wollen. Es ist nicht so, dass die potentiellen PTs bei mir Schlange stehen, aber immer mal wieder mache ich Bekanntschaft mit Leuten, die den Traum vom „150€ pro Stunde Sunnyboy“ träumen und auf den Fitness & Lifestyle Zug mit aufspringen möchten. Schillernste Figuren preisen ihre Fertigkeiten, verweisen auf den eigenen sportlichen Backround (als ob jeder Fussballer automatisch auch ein guter PT wäre), listen ihre Trainerlizenzen auf edlen Webseiten auf und faseln von den großartigen Ergebnissen ihrer Kunden und Coaching-Skype-Sessions in alle Welt. Es werden fachmännisch Fitness Youtube Clips diskutiert und stets irgendein sporttheoretischer Schinken (natürlich auf englisch, man möchte ja als „von Welt“ wirken) zu jeder Portion Haferflocken on the go gelesen. Sorgfältig geführte Ernährungs-Tracking-Apps und Softwaretools zur Erstellung und Betreuung der Trainingspläne zukünftiger Klienten sind obligatorisch, wahrscheinlich sind die Ordner auf dem MacBook zur Kundenverwaltung bereits angelegt, ebenso wie Exceltabellen zur Erfassung der Einkünfte. Es ist quasi alles mehr als bereit für den Beginn der großen Karriere. Wenn es nur nicht an den Basics hapern würde…

das alles und noch viel mehr

Neulich bin ich von einem Praktikanten gefragt worden, was genau denn meines Erachtens nach einen guten Personal Trainer ausmachen würde. Als ich den Buben darum bat, mir seine eigenen Vorstellungen zu nennen, kamen augenblicklich die üblichen Attribute: Ein guter PT müsste natürlich selbst sportlich sein. Er sollte möglichst tief in seinem Thema stecken, sich stets up to date halten und deshalb regelmäßig Seminare besuchen. Er muss motivieren können, didaktisch geschult sein und er sollte ein gewisses Potential als Entertainer aufweisen. All diese Dinge sind grundsätzlich richtig und offenbaren schon, dass dieser Beruf vielleicht doch nicht für jedermann geeignet ist. Die meiner bescheidenden Meinung nach allerwichtigste Eigenschaft eines Personal Trainers aber ist schlicht und einfach – Zuverlässigkeit.

generation “y”

Was nutzen ein Sportstudium, diverse Lizenzen, ein Sixpack und die beeindruckendste Leistungssport-Vita, wenn man nicht zur Verabredung erscheint? Zuverlässigkeit ist m.E. ein eindeutiges Zeugnis von Engagement. Auch von Respekt. Wenn ich meine Terminabsprachen einhalte und pünktlich und vorbereitet zum Termin erscheine, dann sagt das aus, dass ich mein Gegenüber respektiere und seine, unserer Begegnung zur Verfügung gestellte, Zeit achte und schätze.
Zuverlässigkeit scheint mir von einigen Zeitgenossen der Generation “Y” als so eine altmodische Marotte flüchtig vom Revers gewedelt worden zu sein, wie eine lästige Fliege. Zuverlässigkeit ist spießig. Ich persönlich habe mit dieser Einstellung so meine Schwierigkeiten.

hohles gequatsche

Wie in den meisten Lebensbereichen, so gilt auch in meiner Branche: Quatschen ist wertlos, es zählt einzig die Handlung. Und Dinge anzusagen, zuzusagen und sie dann nicht einzuhalten, das ist eben einfach nur quatschen. So scheint mir das also zu sein. Ein guter Personal Trainer kann fachlich brilliant sein oder Bro-Science, hübsch oder nicht so hübsch, kann ein Body sein oder auch mit Bäuchlein, das ist wirklich alles ganz flexibel, aber eines ist er auf jeden Fall: ZUVERLÄSSIG!

In diesem Sinne, bis in 2 Wochen, nic`x für ungut und Sport frei – darauf kannst Du Dich verlassen;-)
Coach Nico

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2018-05-07T15:58:25+00:00 0 Comments

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