Haters gonna hate

Als Arnold Schwarzenegger zu Zeiten, zu denen er noch aktiver Bodybuilder war, einmal während einer TV-Show zu hören bekam, dass der Moderator vor allem deshalb nicht mit Hanteln trainiere, weil er auf gar keinen Fall SO aussehen wolle wie Arnold, entgegnete Schwarzenegger tiefen-entspannt: „Don`t worry  Mitchell, you never will“… Obwohl ich die Szene nicht mehr genau zusammen bekomme – der Moderator hieß bestimmt nicht Mitchell – habe ich die Pointe glasklar vor Augen und muss jedes Mal beim Gedanken an die Story schmunzeln, ganz so wie man eben schmunzelt, wenn ein Konter perfekt sitzt.

tu` doch nicht so

Da hockt so eine mickrige Wurst von klugscheißendem Moderator vor einem Mann wie Arnold Schwarzenegger und sagt ihm, dass er den Anblick dessen Körpers ganz graulich findet und um Gotteswillen nicht so aussehen wolle. Schwarzeneggers Antwort kommt elegant und mit der Ruhe der Gewissheit der absoluten Dominanz. Die Kurzform „you never will“, konnte ein Jeder gedanklich ausformulieren zu – „Du brauchst nicht so zu tun, als wärst Du nicht beeindruckt und würdest nicht liebend gern deinen schlaffen Körper gegen meinen tauschen. Allein diese eine Aussage über meine Erscheinung zeigt mir, dass Du kein Mensch von innerer Stärke bist und es ist deshalb extrem unwahrscheinlich, dass du deinen Arsch auch nur ansatzweise derart in Bewegung setzen würdest, als dass du auch nur einen Bruchteil dessen tätest, was nötig wäre, um einen solchen Körper hervorzubringen. Stattdessen wirst Du weiter hier mit deinem Mikrofon rumhängen und an genau den Eigenschaften anderer Menschen herum mosern, die du insgeheim gern selbst hättest.“

höher, schneller, besser

Der Mensch strebt nach Perfektion. Auch der Moderator. Autos sollen schneller, leiser, sparsamer werden, Länder wohlhabender, Menschen stärker und gesünder. Es mag Menschen geben, die ihren Frieden mit dem Mittelmaß  gemacht haben, es mag sogar so sein, dass der Friede mit dem Mittelmaß die klügere Entscheidung ist. Aber im Gesamten, strebt die Menschheit stetig nach Verbesserung, Optimierung, Steigerung. Menschen wiederum, die in diesem Frieden leben, haben in aller Regel gar kein Bedürfnis anderen – ohne jeden Grund – zu sagen, dies und das fände man so furchtbar an ihm, dass man es auf keinen Fall selbst haben wolle. Solche Menschen sind nämlich ausgeglichen und ruhig. Und in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft.

allen anderen deutlich überlegen

Ich bekomme sowas regelmäßig zu hören: „Das sieht aber nicht mehr schön aus“ – „Das ist aber zu viel“ – “Das wirkt unnatürlich“ – ich bin dann immer kurz irritiert, bis mir wieder einfällt, dass Leute, die so etwas sagen, damit klar erkennen lassen, dass sie selbst im Grunde nur der Optik wegen an ihrem Körper interessiert sind. Mich hingegen hat immer schon die Funktion hinter der Optik fasziniert. Egal ob Rennpferde, Staffordshire-Terrier oder CrossFitter – die Physis dieser Wesen unterscheidet sich offensichtlich von anderen ihrer Art, denn sie sind tatsächlich allen anderen körperlich deutlich überlegen. Mich fesseln diese Extreme. Ich meine, ganz ehrlich – wenn es ein nächstes Leben gäbe und man könnte es sich aussuchen ein Hängebauchschwein oder ein Bengalischer Tiger zu sein, welcher Horst entscheidet sich denn da für`s Schweinchen??? Wenn ich mir also aussuchen könnte, ob ich Mr. Burns sein möchte oder eher Arnold Schwarzenegger, dann fällt mir die Wahl nicht schwer. Mag sein, dass Mr. Olympia blöderweise das ein oder andere Steroid eingeworfen hat. Aber der Typ ist mittlerweile siebzig und hatte bestimmt eine geile Zeit also hell yeah – ich würde mich ganz sicher entscheiden Arni zu sein!

beharrlichkeit, willen & fleiß

Warum nur, echauffieren sich so viele über diese „Hantelidioten“? Was haben denn all diese Leute so viel Besseres zu tun, so viel Sinnvolleres? Und wie kann es sein, dass viele der Menschen, die sich in ganz anderen Bereichen verwirklichen, nebenher auch noch fleißig im Kraftraum sind? Ganz einfach: Weil jahrelanges Krafttraining viele der Eigenschaften voraussetzt und entwickelt, die es ebenso braucht, um in den meisten anderen Lebensbereichen voranzukommen: Beharrlichkeit, Konsequenz, Willen und Fleiß.

Ich möchte keineswegs den „Übermenschen“ preisen. Wenn  ein Mensch sich bewusst für den Stillstand entscheidet, dann ist das eine respektable Sache und seine Angelegenheit, nur entscheiden sich die Meisten nicht dafür, sondern sind einfach so. Und dann wird sich das Maul zerrissen über die „Sport-Verrückten“: „Die haben nichts im Kopf“ – „Die sind alle narzisstisch“- „Die haben keine anderen Interessen im Leben“. So ein Bullshit! Genau wie es heißt, alle Reichen wären korrupt und herzlos. Also ich kenne so einige Mittelständler die hier und da im Baumarkt die Preisschilder tauschen oder unberechtigt Kindergeld beziehen. Genau so gibt es Typen die strunz-dumm mit ihren teuren Autos protzen  und sich über den Erfolg ihrer Spielcasinos profilieren wollen. Zugegeben, einige von denen pumpen auch fleißig. Nicht zuletzt diese Gestalten sind die Ursache dafür, dass ein Thema, welches schon einmal vor über 100 Jahren durchaus gesellschaftsfähig und anerkannt war, es heutzutage so schwer hat, sein plumpes Image zu verlieren. Während die Turnvater Jahn Jungs des 19. Jahrhunderts mit Kettlebell und Zirkushantel würdevoll auf Postkarten abgebildet wurden, konnte man bis weit in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, Bilder von Kraftsportlern ausschließlich in einschlägigen Zeitschriften finden. Allgemein hatte man ein Bild solarium-gebräunter, halbseidener, Steroid-aufgepumpter Flegel vor Augen, wenn man an Hanteltraining dachte. Erst CrossFit hat dies nachhaltig geändert.

performance enhancing

Spätestens seit die medizinische Forschung zunehmend erkennt, welche entscheidenden Vorteile der Hantelsport gegenüber allen anderen Sportarten hat und diese Erkenntnisse in seriösen Zeitschriften und Fachmagazinen veröffentlicht werden, wird das Training mit Gewichten wieder gesellschaftsfähig. Plötzlich ist es cool, wenn die 65 jährige Omi Gewichtheben trainiert. In Manager-Kreisen gehört es quasi zum Standard, dass (M)an(n) oder Frau in Form ist. Jede größere Fitnesskette in Deutschland launcht derzeit „Functional Training Areas“ und die CrossFit Boxen schießen wie die Pilze aus dem Boden.

„Selbstoptimierung“ ist in aller Munde. „Performance Enhancing“ ist das Motto unserer Zeit. Für mich ist es zunächst einmal Lebendigkeit, Schönheit, Ästhetik und Funktionalität. Das unter der Haut sichtbare Muskelspiel eines Löwen bei der Jagd, die Bisskraft eines weißen Hai`s, die Relativkraft einer Ameise – all diese Dinge sind Wunder der Natur. Auch der Mensch ist körperlich und mental zu so viel im Stande, sodass es einfach Schade darum ist, wenn dieses Potential ungenutzt bleibt.

sich einfach kraftvoll fühlen

Es geht nicht länger um Eitelkeiten, wenn man diesen Sport richtig verstanden hat. Wenn mir  jemand sagt, meine Oberschenkel seien zu dick, das stünde in keinem optischen Verhältnis mehr zu meinen – was weiß ich – Waden, dann erwidere ich, dass es schlicht nicht darum geht, dass die Beine in einer Jeanshose merkwürdig aussehen, sondern einzig um die physiologischen Möglichkeiten und dass die Form meiner Oberschenkel sich im Streben nach höchster Perfektion eben einfach der Performance anpassen. Ich freue mich übrigens auch insbesondere für Frauen, wenn sie diesen Zusammenhang für sich selbst überzeugt annehmen können. Weg von diesem „Spindeldürrzwang“, oder diesem „ich muss abnehmen“! Warum nicht einfach Freude an der körperlichen Leistungsfähigkeit haben und die Erscheinung keine großartige Rolle spielen lassen?! Warum sich nicht einfach kraftvoll fühlen und hieraus Selbstvertrauen schöpfen? Die Attraktivität kommt dann von allein, da bin ich mir sicher. Nun braucht ja nicht gleich jeder zum Ziel haben, das Zweifache des eigenen Körpergewichts zu beugen, aber zur beginnenden Grillsaison den Bierkasten eigenständig zum Grill tragen zu können, ohne sich danach hinsetzen zu müssen, das sollte doch schon drin sein oder nicht?!

mittelpunkt des lebens

Wenn der ein oder andere einen Narren dran frisst und diese Leidenschaft zum Mittelpunkt seines Lebens macht, wie eben andere, ganz versessen darauf sind, Bilder zu malen oder stundenlang Geige zu spielen, dann ist das doch auch eine erfüllende Sache, die zumindest Akzeptanz verdient. „Don`t worry Mitchell, you never will. “ …Was wohl aus Mitchell geworden ist?

Nic`x für ungut und Sport frei!

Nico

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2018-04-24T12:02:36+00:00 0 Comments

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