Lady of the Boards – Patrizia Kummer im Interview

Spieglein Spieglein an der Wand, wer ist der coolste Schneehase im ganzen Land? Keine Frage – die Snowboarderin Patrizia Kummer, steht in jedem Fall weit oben auf unserer Liste! Die Vize-Weltmeisterin im Parallel-Riesenslalom öffnete ihre Trick-Kiste und verriet uns das Geheimnis ihres Erfolgs.

 Welches Workout steht kurz vor der Saison, also in der heißen Trainingsphase, bei dir an?

Die meiste Zeit verbringe ich im Moment mit Schneetrainings. Nebenher investiere ich viel Zeit in die Erholung, damit ich die technisch anspruchsvollen Trainings im Schnee mit einer hohen Qualität absolvieren kann. Zwischendurch setze ich auf kurze, aber intensive Peaks im Kraftbereich, um meine Fitness auf einem hohen Level halten zu können.

Auf welche Körperpartien legst du dabei den Fokus?

Das Wichtigste in meinem Sport sind reaktionsschnelle und starke Beine, sowie eine gute Körperstabilisation. Daher liegt mein Hauptaugenmerk vor allem auf den Beinen und einen stabilen Rumpf. Aber grundsätzlich sind meine Übungen Ganzkörperübungen wie Reißen oder Umsetzen, damit der gesamte Körper als System zusammenarbeiten muss.

Hand aufs Herz: Was ist beim Training der Fun und der Pain Part?

Ich bin ein Bewegungsmensch und meistens einfach überglücklich, dass ich mich bewegen darf, anstatt ständig in einem Büro zu sitzen. Ich sehe das Training, den Sport als meinen Job an. Natürlich bin ich körperlich meistens sehr an den Grenzen, bin müde und habe öfters Muskelkater. Aber ich habe sehr früh in meiner Karriere den Unterschied zwischen funktionellen Schmerzen und den Schmerzen kurz vor der Grenze zum Möglichen gelernt. Bei funktionellen Schmerzen höre ich immer sofort auf. Da bin ich äußerst strikt mit mir selber, auch wenn manchmal der Kopf noch unbedingt weiter machen will. Aber bei den „Grenzschmerzen“ schalte ich einfach meinen Kopf ab. Die sind sowieso ein ständiger Begleiter und daher völlig irrelevant.

Setzt du außerdem auf ein spezielles Mental Training?

Ja, ich habe einen Mentaltrainer, der mich schon seit vielen Jahren begleitet. Wahrscheinlich ist das spezielle an unserem Training zusammen, dass wir eigentlich nie die klassischen mentalen Übungen für Konzentration, Fokus, Visualisierung oder ähnlichem durchführen. Mein Mentaltrainer hat viele Jahre Erfahrung in verschiedensten Bereichen, wie Sport, Gesundheit, Ernährung, Physiotherapie und dadurch ein sehr ganzheitliches Weltbild entwickelt, das sich auch meinem gleicht. Er ist für mich im Sport ein Anker, der mich auf den Boden zurück holt, mir neue Perspektiven aufzeigt und mir die Sicherheit gibt, mit einem Outsider des Snowboardzirkus über alles reden zu können. Es kann auch vorkommen, dass wir während einer Sitzung überhaupt nicht mental trainieren, sondern, dass er mir als ehemaliger Physiotherapeut bei einem physischen Problem hilft. Einfach immer, was ich in dem Moment gerade brauche.

Experten raten Laien, ein Training zur Vorbereitung auf den Skiurlaub in den Alltag zu integrieren: Balancetraining beim Zähneputzen auf einem Bein etwa -> Welche Anekdote hast du auf Lager?

Das Balancetraining wurde mir nach meinen Knieoperationen auch jedesmal empfohlen, da es regelmässig in den Alltag integriert werden kann. Es ist jedoch so, dass ein solches Training zwar ein Anfang ist, aber Skifahren nicht nur aus Balance besteht und ein bisschen Muskeln an den Oberschenkeln sicher auch hilfreich wären.

Pisten-/Rampencheck: Wie gehst du vor?

Ich bin ein Kinästhetischer Mensch. Wenn ich mir etwas visuell vorstellen soll, klappt dies überhaupt nicht. Aber wenn ich mir eine Bewegung vorstelle, wie ich sie ausführe, wie die verschiedenen Muskeln in meinem Körper zusammenspielen, gelingt mir dies ganz leicht. Bei der Inspektion des Kurses, konzentriere ich mich daher auf das Gefühl, wie ich die Kurve ansetze, wie es sich anfühlt in der Kurvenmitte oder beim Beschleunigen Kurvenausgangs. Dies kann ich mir sehr leicht merken und im Wettkampf auch einsetzen.

Wie sieht dein Fitfood aus?

Grundsätzlich esse ich wenig Kohlenhydrate und viel Eiweiß und Fett. Ich habe schon als Kind Süßes überhaupt nicht gemocht und von zu viel Zucker/Kohlenhydrate fühle ich mich sehr schnell müde und bekomme wenig Energie. Zudem hat mein Körper auch große Schwierigkeiten Gluten richtig zu verarbeiten und ich habe eine Allergie auf Eier. Daher esse ich viel Gemüse, Reis oder Kartoffeln und ganz viele Hülsenfrüchte, Nüsse, usw. -in den verschiedensten Kombinationen. Durch das konstante körperliche Training ist es für mich äußerst wichtig, möglichst gesunde, leicht verdauliche und viele Nährstoffe enthaltene Lebensmittel zu essen. Auch wenn ich sehr viel unterwegs und wenig zu Hause bin, koche ich so oft wie möglich selber.

Gibt es ein Ritual, das du vor einem Wettkampf immer machst?

Ich verstehe durchaus den Sinn von Ritualen, um sich selber Sicherheit zu geben und einen Ankerpunkt zu haben während einem stressigen Renntag. Jedoch ist dies nichts für mich, da ich möglichst flexibel sein will. Ich will nicht abhängig davon sein, ob ein Ritual oder ein Tagesablauf klappt oder nicht. An Wettkämpfen kann alles passieren, daher reagiere ich lieber flexibel je nach der vorliegenden Situation.

Helm, Board, Sonnenschutz, Smartphone: Hast du schonmal irgendwas Wichtiges an Equipment vergessen? Bzw.: Was packst du zuerst für eine Competition ein?

Der Rucksack ist für den Wettkampf oder für ein Training ziemlich identisch gepackt. Wenn ich von der Piste runterkomme, lege ich alle feuchten Sachen rund um den Rucksack verteilt zum Trocknen aus und am Abend packe ich alles direkt wieder in den Rucksack. Aber ich habe ein Talent meine Startnummern oder Lifttickets irgendwo liegen zu lassen. Ich musste auch schon zurück ins Hotel rasen, um die Startnummer zu holen.

Was passiert nach oder abseits der Piste: Training, Party …?

Nach einem Rennen, ist meistens erst mal Essen angesagt. Ein Wettkampftag ist bei uns sehr lang und ich esse während dem ganzen Tag meistens nur wenig und nur leicht verdauliche Sachen. Meistens gibt es vom Veranstalter aus eine Party für die Zuschauer, aber viel Alkohol und exzessives Tanzen sind nicht wirklich förderlich für die Erholung. Und eine ganze Wettkampfsaison ist lang und streng, auch wenn eine Party zwischendurch auch mal gut ist, um den Kopf durchzulüften. Es ist immer eine Frage der Dosierung, wie bei allem im Leben.

Zum Business: Wie funktioniert Networking am besten in der Wintersportwelt?

Hingehen, Lächeln, Hallo sagen.


Training, Marketing, Sponsorship, Mediaarbeit: Wie bekommst du all das unter einen Hut?

Ich habe einen Manager, der mir hilft, neue Sponsoren zu suchen. Sobald die Verträge unter Dach und Fach sind, nehme ich das Zepter aber sehr gerne selber in die Hand. Die Arbeit mit meinen Unterstützern macht mir viel Spass, da man oft die unterschiedlichsten Mini-Projekte umsetzen kann oder an Events neue, spannende Leute trifft. Ich mag diese Abwechslung sehr.

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2018-02-07T10:00:26+00:00 0 Comments

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