nic´x für ungut! Pumpen und Kiffen? Piffen!

Wo fange ich an? Mein eigentliches Thema ist brandaktuell, immer wieder in den Medien und heiß diskutiert. Ich möchte jedoch gern das Pferd von hinten aufziehen und sozusagen erst am Ende zum Punkt kommen. Der mir hoffentlich geneigte Leser verzeihe dies und gedulde sich bitte ein wenig!

Tipp-Topp-Verfahren im Schulsport

Nun denn…

Ich war immer schon sportlich. Ich war in keiner Disziplin der Beste, aber definitiv auch nicht derjenige, der am Ende der Teamauswahl im Sportunterricht zwangsweise einer Mannschaft zugeteilt wurde. Ihr wisst, wen ich meine! Die armen Bengels, von denen man keinen in der Mannschaft haben wollte, gegen die man lautstark argumentierte, wenn sie einem vom Lehrer in die Mannschaft gesetzt wurden. Der Lehrer so „Also gut, dann geht XY in Dennis’ Mannschaft“ und die Gören brüllen los: „Nö ey, immer wir, wir hatten XY schon letzte Woche!“ Mann, war das mies, können Kinder grausam sein.

Ich weiß, sowas schreibt man nicht. Es könnte ja sein, dass einer der Leser sich wiederfindet. Einer peinlich berührt ist. Oder sich gleich in Grund und Boden schämt. Weil er XY war? Nein! Wo denkst du hin? Weil er einer von denen war, die mitgemacht haben.

Ich war so ein Typ. Ich meine, ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, aber ich bin mir sicher, ich habe auch mitgebrüllt. Vielleicht hatte ich schon damals irgendwie ein ungutes Gefühl dabei, wie wenn ich meine Eltern belog. Ich wusste einfach, dass es falsch war. Aber der Gruppenzwang eben oder was weiß ich … Nein, um ehrlich zu sein, der Gruppenzwang war noch nie gefährlich für mich. Ich war wohl eher so der Typ erster Stein in der Reihe des Dominoeffekts. Ich habe immer gern den Ton angegeben. Das tue ich meistens heute noch. Nur mittlerweile freundlicher und besonnener. Außerdem mit einem guten Grundgefühl. Heute kenne ich den Unterschied zwischen Befehlen und Motivieren. Damals war ich wütend. Ich war oft wütend. Habe mich gern gerangelt und mir Blödsinn ausgedacht. Ich habe auf Draufgänger gemacht. Vielleicht war ich sogar einer. Einer mit Zweifeln. Doch es könnte ja sein, dass die meisten Draufgänger zweifeln, ja, dass der Zweifel sie überhaupt erst zu Draufgängern macht. Dass ihr Draufgängertum und Gehabe nur gut versteckt, wie unsicher sie eigentlich sind und dass sie sich statt fürs Duckmäuschen eben für den Angriff als beste Verteidigung entschieden haben. Am Ende bleiben beide einsam, der Rüpel wie das Duckmäuschen.

Rüpel vs. Duckmäuschen

Ja, ich denke, ganz genau so ein Rüpel war ich. Dafür gab es Gründe. Diese brauchen hier nicht weiter erläutert werden, nur soviel ist wichtig für den Zusammenhang: Ich galt als „schwierig“, weil ich zu Hause unter großem emotionalen Stress stand und dieser scheinbar irgendetwas in meinem Gehirn hinterlassen hat. Seit dem Jungendalter führte dies dazu, dass mich bisweilen eine Traurigkeit befiel. Diese Traurigkeit war mal latent, mal äußerte sie sich in Frustration, Unzufriedenheit, Ruhelosigkeit, Rastlosigkeit und sofort auftretendem Unwohlsein, sobald ich körperlich zur Ruhe kam. Einige Male schon war die Traurigkeit so allumfassend und erdrückend, dass ich vor Erschöpfung und Verzweiflung nicht mehr recht wusste, ob ich das alles noch wollte.

Ich habe viele Jahre vor allem zwei Dinge getan: Irgendetwas gearbeitet und trainiert. Auch als es mir wirklich dreckig ging, habe ich trainiert. Nicht weil ich so ein harter Hund bin, sondern weil es den Kopf zur Ruhe brachte, wenn ich das Eisen in den Händen spürte. Wenn die Muskeln kämpften, der Schweiß floss, ich die Zähne aufeinanderbiss, dann hatte meine innere Heulsuse Sendepause. Erst später begriff ich, dass die „Heulsuse“ ein kleiner Nico war. Der Junge wollte, dass ihn irgendjemand an die Hand nimmt und ihm hilft in diesen Situationen, die ihn heillos überforderten. Der kleine Nico wohnte tief drinnen im großen Nico und ganz egal, was der große Nico auch alles Tolles im Leben erreichte, der Knirps in ihm blieb traurig und unsicher und wütend und verteidigte sich weiterhin mit Angriff. Der große Nico konnte, trotz all der Segnungen in seinem Leben, nur selten Glück empfinden – eine liebe Frau, gesunde und bezaubernde Kinder, einem eigenen Geschäft, das ihn und seine Familie gut ernähren konnte, gleichzeitig seine Leidenschaft war, viele Menschen, die ihn mochten, einige Menschen, die ihn liebten. Auch konnte der große Nico sich nie richtig männlich, vollwertig und wertvoll fühlen. Er fühlte sich indes meist schwach, hatte den Drang besser zu sein als sein Gegenüber und verspürte vor allem dann Befriedigung, wenn er anderen Bewunderung entlocken konnte. Am besten Männern. Männer, die etwa im Alter seines Vaters waren, deren Zuneigung und Anerkennung er sich ersehnte, als Ersatz für die vermeintlich fehlende Zuneigung und Anerkennung vom echten Vater. Er konnte seinen Vater nicht begreifen. Er verstand die „Sprache“ des Vaters nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Kleiner Nico vs. großer Nico

Jedenfalls war das Training eine feine Sache und des großen Nicos Retter in der Not, aber es änderte nichts an den Ursachen seiner Traurigkeit. So ging also die ganze Sache immer eine kleine Weile einigermaßen gut, der große Nico kam gerade so klar und dann plötzlich, jeweils nach mehreren Jahren, kam der absolute Tiefflug.

Kommen wir zum Punkt.

Eines Abends entschied ich mich in meinem Kummer einfach mal einen Joint zu rauchen. Ich hatte dies schon früher getan. In meiner Jugend sogar eine Zeit lang ziemlich intensiv. Vielleicht liegt hier die Ursache für alles Weitere. Vielleicht schließt sich hier der Kreis. Auf jeden Fall ging es mir an diesem Abend gut. Ich rauchte nun öfter mal einen. Die Sache hatte nur einen Haken – ich vertrug den Tabak nicht. Mir wurde vom dem Zeug kotzübel und den Geschmack im Mund empfand ich als widerlich, ebenso den Gestank an den Fingern. Ich ließ die Sache also wieder bleiben. Auf den Gedanken pur zu rauchen kam ich damals nicht.

Eines Tages erzählte mir jemand von einem Vaporisator und kurze Zeit später hatte ich mir so ein Teil zum Ausprobieren besorgt. Das war die Offenbarung. Der Vapo ist eine großartige Erfindung! Ich rauchte öfter. Immer nur am Abend. Ich konnte zum ersten Mal seit sehr langer Zeit mal wieder richtig entspannen. Ich hatte nie während des Tages das Bedürfnis. Tagsüber wollte ich powern und schnell sein. Ich mag die Kraft der Aggression, den Antrieb. Ich konnte gefühlt seit Jahren zum ersten Mal wieder richtig gut schlafen. Das Schlafen ist überhaupt das Beste.

Mann über Bord vs. sichere Schiffsmannschaft

Ich hatte jahrelang eine Menge probiert. Therapien, Meditation, viele tausend Euro für Coachings und etliche Bücher ausgegeben. Ich habe zeitweise förmlich um mein Leben gelesen und auch irgendwann über Tabletten nachgedacht. Ich kannte einige Leute, die nahmen welche und kamen einigermaßen damit zurecht. Ich wollte nie Chemie in mich reinwerfen. Ich möchte das nicht übel machen. Für manch einen waren Tabletten wohl schon ein Lebensretter und wenn es ums Ganze geht, dann ist eine Tablette wohl immer noch die bessere Wahl. Nur ich war nie so weit und ich war auch unbeugsam, ich wollte einfach keine.

Nun rauchte ich regelmäßig Weed. Ein sportlicher Kiffer? Wohl eher ein „Piffer“ – ein Pumper, der kifft. Bin ich Kiffer, wenn ich regelmäßig Cannabis rauche? Oder wird man das erst, wenn man von früh bis spät stoned ist? Ich finde, „Kiffer“ klingt so nach „abhängen“. So schlaff und kraftlos. Das bin ich nun weiß Gott nicht. Also doch kein Kiffer. Äh, Piffer. Weißt du was? Ich pfeif drauf! Mir ist egal, wie man mich bezeichnet. Denn der große Nico hält den kleinen Nico mittlerweile an der Hand und beide zusammen sind ein gutes Team. Weil der kleine Nico sich geborgen und bestätigt fühlt, hat der Große die Kraft und Kapazität das Ruder zu halten und kann seine erwachsenere und reifere Urteilskraft die Dinge bewerten lassen. Ein erfahrener Kapitän am Steuer und sein Sohn voller Vertrauen und Bewunderung neben ihm. So läuft jetzt der Hase!

Wer hat von meinem Statistik-Anteil genascht?

Ich habe eine Menge gelesen zum Thema Cannabis und Hanf und auch zum Thema Sucht. Meine Fresse, die allermeisten von uns sind süchtig! Süchtig nach Einkaufen, süchtig nach Onanieren, süchtig nach Smartphones, nach Kaffee, nach Alkohol und viele, viele sind süchtig nach Zucker. Ja, nach Zucker. Denke mal drüber nach! Was tut denn Zucker? Er bringt meinen achtjährigen Sohn dazu ihn zu bunkern, mir ins Gesicht zu lügen (und ich weiß, dass der Kleine mich wirklich gern hat) und drauf zu scheißen, dass das Zeug ihm bereits eine Total-OP in der Futterleiste beschert hat. Gut, ein kleiner Junge begreift die Zusammenhänge vielleicht noch nicht, aber jeder des Fernsehschauens kundige Erwachsene weiß, dass Zucker das Hauptglied einer kausalen Kette ist, an deren Ende Übergewicht mit allen Folgeerscheinungen und Zivilisationskrankheiten steht. Trotzdem stopfen die Leute ihn in Unmengen in sich hinein. 33,6 Kilo hat jeder Deutsche im Schnitt im Jahr 2015 gemampft.

Da es bei mir ganz sicher deutlich weniger ist, muss wohl jemand gehörig von meinem Anteil an der Statistik genascht haben. Oder alle ein bisschen mehr als ich. Auf jeden Fall sehe ich täglich viele Menschen, leider immer mehr Kinder und vor allem Jugendliche (die hatten im Unterschied zu Kindern schon etwas mehr Zeit fürs Mästen), die deutlich zu dick sind. Wenn diese Menschen ihr Verhalten nicht ändern, ist es allerhöchstwahrscheinlich, dass sie eines Tages krank werden. Lebensmittelkonzerne setzen Zucker allen möglichen Lebensmitteln zu, um den Geschmack zu intensivieren und damit Kunden zu binden. Das Zeug ist allgegenwärtig. Menschen geraten in Fresssucht, leiden psychisch und sozial und Werden. Einfach. Mit. Verdammt. Hoher. Wahrscheinlichkeit. Krank.

Sie verursachen Milliarden an Kosten im „Gesundheitswesen“ und belügen sich selbst und andere, um an ihren „Stoff“ zu kommen – welches Kriterium einer schädigenden Sucht nach einer toxischen Substanz ist hier nicht erfüllt? Überhaupt ist dies ein entscheidender Unterschied – nach Meinung einiger Suchtexperten ist der negativ besetzte Begriff der „Sucht“ tatsächlich erst ein Problem, wenn das scheinbar unbeherrschbare Verlangen nach einer bestimmten Substanz den Süchtigen in seinem sozialen und beruflichen Umfeld in Schwierigkeiten bringt. Wenn also jemand abstürzt, alles verliert, körperlich verwahrlost, verkümmert, schließlich verreckt, dann ist Sucht ein Problem. Wenn aber jemand über das regelmäßige Verwenden einer Substanz einfach nur seine Lebensqualität verbessert, vielleicht sogar sein Leben rettet, ohne dass es ihm selbst oder jemand anderem wirklich schadet – was zum Teufel soll daran nun verkehrt sein? Es will mir nicht in den Kopf.

Legalisierung von Cannabis

Es soll mich bitte niemand falsch verstehen – die Dosis macht das Gift und weil etwas für den einen gut ist, muss das nicht auch für den anderen so sein. Aber es gibt eine rege Community von Befürwortern aus unterschiedlichsten Gründen und das sind beileibe nicht alles Rastazöpfe tragende Althippies mit glasigen Augen. Ich habe nicht vor, hier nun Studien darzulegen, sondern vertraue einfach darauf, dass der Leser mir glaubt, dass ich mich informiert habe und er dies bei Interesse einfach selbst tut.

Mir geht es um mein Statement. Mir ist diese Debatte wichtig und ich möchte meine Meinung dazu sagen. Ich glaube, dass die aktuelle Entwicklung in einigen Bundesstaaten der USA gut und wichtig ist. Klar, springt sofort wieder die Industrie auf den einfahrenden Zug und dennoch wird sich einiges zum Positiven verändern.

Klar und deutlich: Es gibt aus meiner Sicht kein Argument gegen eine Legalisierung von Cannabis.

Ich war kürzlich in Amsterdam. Eine schöne Stadt. Gepflegt, wohlhabend, viele freundliche Menschen. Überhaupt nicht so, wie ich mir ein Drogenarmageddon vorstelle. Keine geplünderten Geschäfte, keine gefährlichen Zombies, keine Schießereien auf offener Straße, Heroinjunkies an jeder Ecke – nichts von alldem. Seit 1976 können die Niederländer entkriminalisiert in Coffeeshops einen durchziehen. Menschen aus aller Welt pilgern nach Amsterdam, um sich ihr Weed aus der Karte auszuwählen, wie bei einer Weinfahrt in Italien. Es gibt genügend Statistiken und Untersuchungen zur Auswirkung der Entkriminalisierung von Cannabis direkt in unserer Nachbarschaft und das seit mehr als 40 Jahren. Was gibt es da denn noch zu diskutieren? Oder Portugal! Hier werden Konsumenten nicht mehr bestraft, sondern erhalten einen Termin beim Sozialarbeiter, der herausfinden soll, ob jemand ein Problem mit seinem Konsum hat oder völlig intakt ist. Wenn der Sozialarbeiter befindet, dass alles bestens ist, dann war es das. Die Portugiesen hatten ein massives Drogenproblem. Sie sind mit dieser modernen Herangehensweise mittlerweile sehr erfolgreich, was eine deutliche Linderung des Problems zur Folge hat.

Ein süchtiger Mensch braucht keine Strafe, er ist bestraft genug. So ein Mensch braucht Hilfe.

Ich bin der festen Überzeugung – nicht die Droge sucht sich den Menschen, sondern der Mensch sucht sich die Droge.

Und wenn selbst Godfather Trump die Entscheidungen aus Colorado nicht einfach fingerschnipsend wieder rückgängig macht, dann muss das doch eine gute Sache sein … oder einfach nur ein fettes Business 😉

In diesem Sinne, nic`x für ungut, ich wünsche eine angenehme Entspannung und Sport frei!

Euer Coach Nico

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2018-01-13T10:32:44+00:00 0 Comments

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