Wer die Wahl hat, hat die Qual(ität) – woran erkenne ich einen fähigen Personal Trainer?

Immer wenn ich mein Auto in die Werkstatt zur Durchsicht bringe, ist mir mulmig. Bis auf den Ölstand prüfen, kann ich autotechnisch gar nichts und wenn ich in den Motorraum starre, dann eben wie das Schwein ins Uhrwerk. Folglich kann mir auch jeder Kfz-Fritze was vom Pferd erzählen und mir bleibt nichts anderes übrig, als ihm abzunehmen, was er mir erzählt. „So, Herr Peschke, wir haben uns jetzt alles angeschaut und folgende Sachen sind zu machen …“ Dann kommt irgendwas von Bremsbacken, Nockenwellen und Lenkgetriebe und das Ganze wird voraussichtlich soundsoviel kosten. Was soll ich tun? Eine zweite Werkstatt zurate ziehen? Hier wird mir dann von Bremskraftregler, Wischermotor und Einspritzanlage erzählt und ich bin genauso schlau wie vorher. Also treffe ich mit dem Kfz-Fritzen die unausgesprochene Vereinbarung, dass schon irgendwas an meiner Karre tatsächlich zu machen ist und weil es ja immer heißt „leben und leben lassen“, gehe ich davon aus, dass außerdem die eine oder andere eigentlich überflüssige Sache geschraubt wird und ich somit meinen Beitrag leiste zum Erhalt des deutschen Mittelstandes.

Genauso fühle ich mich immer beim Osteopathen. Da wird mit konzentriert geschlossenen Augen an mir rumgedrückt und rumgezogen, es werden Fachbegriffe gemurmelt und die abschließende Diagnose könnte stimmen … oder auch nicht. Nun, zugegeben ist es hier ein wenig anders, weil ich ja zum Osteopathen nicht zur Durchsicht gehe, sondern i. d. R. dann, wenn es tatsächlich irgendwo zwickt. Wenn der Osteopath mein Zipperlein beheben konnte, dann überzeugt mich das von seiner Kompetenz und ich komme wahrscheinlich wieder.

Trainerbusiness ohne Ausbildungsstandards

Ganz ähnlich verhält es sich auch in meinem Gewerbe. Wie soll schon der unkundige Mensch beurteilen können, ob ich mein Handwerk verstehe oder nicht? Hinzu kommt im Trainerbusiness noch, dass es faktisch keinerlei Ausbildungsstandards gibt. Lizenzen werden unterm Strich verkauft und selbst Universitätsabschlüsse sind überhaupt kein Garant dafür, dass jemand in der Lage ist, einen anderen Menschen sachkundig fit zu machen. Ich habe im Laufe der Jahre schon Situationen beobachten können, die mich vermuten ließen, dass wenn der Personal Trainer dem Kunden vorgeben würde, er solle sich einen Finger in die Nase, den anderen in den Hintern stecken und dabei auf einem Bein stehend im Kreis springen, weil das der allergeheimste Geheimtrick für die Fettverbrennung sei, dann würde dieser Kunde dies schließlich genauso tun.

Selbst langjährig aktive und wirtschaftlich erfolgreiche Personal Trainer können die totalen Nulpen sein. Das Geschäft des Personal Trainers ist komplex und verlangt einige Fertigkeiten. Das fachliche Know-how ist für den wirtschaftlichen Erfolg sogar zunächst einmal recht unerheblich. In erster Linie zählt hier verkäuferisches Können. Mit den elementarsten Grundlagen der Kommunikation lässt sich schon so mancher Kunde überzeugen. Wenn das Training dann nicht absoluter Murks und der Trainer außerdem einigermaßen pünktlich und zuverlässig ist, dann ist das schon mehr als die halbe Miete. Sofern der Kunde körperlich gesund ist, lassen sich gewisse Fortschritte zumindest während der ersten Wochen, vielleicht Monate durchaus auch mittels frei improvisierter und ungeplanter Trainingsinhalte erreichen.

Mit dem richtigen Trainer zum Erfolg

Wenn es dann zur Stagnation kommt, ist das Kunden-Trainer-Verhältnis idealerweise derart gefestigt, dass der Kunde trotz fehlender Fortschritte beim Trainer bleibt. Er ist halt so nett und das wöchentliche Treffen zur angenehmen Gewohnheit geworden. Nun muss man fairerweise sagen, dass es wirklich nicht jedem Kunden darum geht, zum Hulk zu werden. Viele Kunden brauchen einfach nur einen regelmäßigen, sportlichen Termin, ein bisschen Konversation und wenn dann noch drei, vier Kilo verschwinden, dann ist das ein angenehmer Nebeneffekt.

Auf diese Weise können jahrelange, teils enge Beziehungen zwischen Trainer und Kunden entstehen. Ist man nun aber auf der Suche nach einem erfolgsorientiert arbeitenden Trainer und auch selbst willens, den nötigen Einsatz zu bringen, dann gebe ich hier gern eine Checkliste an die Hand, die meines Erachtens nach gute Chancen birgt, einen wirklich kompetenten Personal Trainer zu finden:

Checkliste

  • Der/die Personal Trainer/in sollte selbst einigermaßen in Form sein – ich konnte nie verstehen, wie man quasi einen Porsche von jemandem kauft, der selbst einen Opel fährt …
  • Der/die Personal Trainer/in sollte zahlenbasiert arbeiten, d. h. eine ordentliche Anamnese zum Start des Trainings beinhaltet auch die Erfassung von messbaren Daten wie z. B. Bauchumfang, Gewicht, Körperfett, bei aller Sympathie: Zahlen lügen nicht und ein kompetenter Trainer scheut nicht davor zurück, sich selbst unter Zugzwang zu setzen, indem er das „Versprechen“ gibt, messbare Ergebnisse zu liefern.
  • Der/die Personal Trainer/in sollte ein nachvollziehbares Trainingskonzept anbieten können. Wenn ein Trainer in jeder Stunde mit neuen „fancy“ Übungen um die Ecke kommt, dann dient das vielleicht der Unterhaltung des Kunden, zeugt aber nicht von einem Konzept. Ein gutes Personal Training richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen und den Voraussetzungen, die der Kunde mitbringt, jedoch bleibt eine Kniebeuge eine Kniebeuge und die Aufgabe des Trainers ist es nach meiner Auffassung, den Kunden dort abzuholen, wo er steht, um ihm/ihr dann mittels unterschiedlicher Tools zur z. B. Kniebeuge zu verhelfen. Ein seit Jahren international sehr erfolgreicher Trainer sagte mir einmal, dass sich sein Übungsrepertoire über die Jahre immer mehr reduziert hätte, weil einfach irgendwann offenbar wird, welche Übungen tatsächlich nutzen. Ich stimme dem voll zu mit dem Zusatz, dass der fähige Personal Trainer neben einiger weniger Grundübungen natürlich auch noch eine Vielzahl anderer Übungen auf dem Kasten haben sollte. Die Kunst ist es aber dann, diese nicht willkürlich und nach Gutdünken einzustreuen, sondern gezielt und dem Kontext folgend einzusetzen.
  • Der/die Personal Trainer/in sollte mindestens 60,00 € pro Stunde kosten. Wie in vielen anderen Bereichen, so gilt auch hier: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Ein seriöser und wirtschaftlich realistisch aufgestellter Personal Trainer braucht eine gewisse Bezahlung, um sein Geschäft betreiben zu können. „Ramschangebote“ bedeuten i. d. R., dass der Trainer sich mal ausprobiert und kein langfristiges Konzept verfolgt. Entscheide dich: Fachfirma oder Wald-und-Wiesen-Handwerker.
  • Der/die Personal Trainer/in ist u. U. nicht megaflexibel in der Terminvergabe. Auch wenn Flexibilität ein Muss für jeden Personal Trainer ist, so sollte es stutzig machen, wenn der Trainer der Wahl jedem Termin ohne Blick in den Terminkalender zustimmt. Zum Vergleich: Wessen ärztlicher Kompetenz würdest du eher trauen – dem Arzt, der Däumchen drehend in seiner Praxis sitzt und darauf wartet, dass mal jemand anruft, oder dem, der einem straffen Terminplan folgt und offenbar gefragt ist?
  • Der/die Personal Trainer/in sollte sich ständig fortbilden. Eine sinnvolle Frage an den potenziellen Trainer könnte sein, welche Bücher er/sie gelesen und welche Fortbildungen er/sie während der letzten zwölf Monate besucht hat. Ein ambitionierter Personal Trainer wird bemüht sein, am Puls des Geschäfts zu bleiben und sich kontinuierlich fortbilden.
  • Der/die Personal Trainer/in sollte eine klar zu benennende Spezialisierung haben. Ich halte nichts von der Eier legenden Wollmilchsau. Diejenigen, die behaupten, alles zu können, können dann zumeist am Ende nichts wirklich gut. Beispielsweise gibt es Personal Trainer, die gern vorgeben, sich auf physiotherapeutische Behandlungen zu verstehen oder sogar medizinische Diagnosen von sich geben … Hier ist Skepsis geboten.

Es gäbe sicher noch einige andere wünschenswerte Punkte und schließlich sollte die Wahl eines Trainers natürlich auch eine Sympathieentscheidung sein. Wenn aber zumindest die obigen Punkte zutreffen, dann ist es recht wahrscheinlich, dass es was wird mit dem Personal Trainer. In diesem Sinne: Viel Erfolg bei der Suche!

Sport frei,
Coach Nico

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2018-03-01T09:46:23+00:00 0 Comments

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