Trainertypologie I: Männer zwischen Testosteron und Charme

Seit etwa zwölf Jahren arbeite ich als Personal Trainer. Ich begann meine Trainerlaufbahn in einer kleinen Fitnessbutze im Ostteil von Berlin. Später wechselte ich in einen Premiumclub in der Stadtmitte und eröffnete schließlich meine eigene CrossFit Box im Szenebezirk Kreuzberg.

Im Laufe der Zeit habe ich so einiges an Trainern erlebt und kennengelernt und wie auch sonst unter Menschen ist das Spektrum der unterschiedlichen Typen in meiner Berufszunft kunterbunt. Bei der Auswahl eines Personal Trainers gilt es meiner Meinung nach einiges zu beachten. Um diese Wahl etwas zu erleichtern und zur „Groborientierung“ möchte ich hier fünf gängige „Trainertypen“ vorstellen:

Trainertyp: Der Drillseargent

Dieser Trainer versteht sich in erster Linie als Motivator und Erzieher. Er orientiert sich hierbei wahrscheinlich am Standardwerk der schwarzen Pädagogik „Die Frau und ihr Kind“ – es gilt den Charakter des Klienten zu brechen, um ihn anschließend nach eigenen Vorstellungen wieder aufzubauen. Der Drillseargent ist stets gut vorbereitet und dabei nicht sonderlich flexibel in der Anpassung seiner Trainingsplanung an die Tagesform des Klienten.

Sein Gesichtsausdruck weist zumeist eine Mischung aus Abschätzigkeit und Überlegenheit auf und er hat immer ein gehässiges „Ha! Das ist schon alles?“-Lachen parat. Gern hält er (ungefragt) Vorträge zum Thema Disziplin und Motivation und unbedingter Leistungswille ist sein höchstes Gut. Der Seargent genießt duckmäuserische Aufmerksamkeit und duldet keine Meinung neben der seinigen. Kurz und schmerzlos, beim Drillseargent pfeifen nur zwei: Er und der Wind.

Fazit: Der Drillseargent eignet sich als Trainer für jeden, der beim Anschauen von Full Metal Jacket heimlich einen nassen Schlüpfer kriegt und immer schon mal Befehle ausführen wollte.

Trainertyp: Der Fachidiot

Er ist extrem belesen. Theoretisch hat er richtig was auf Tasche, kann aus dem Stehgreif die Prinzipien des Interferenz-Modells darlegen und hat immer auch die eine oder andere Studie in petto. Er hat selbst schon annähernd jedes Trainingssystem ausprobiert, sieht aber eher aus wie ein Schachspieler, denn Ausdauer ist nicht so seine Sache und außerdem kommt ja garantiert der neueste trainingswissenschaftliche Hit um die Ecke und wirft alles Begonnene über den Haufen.

Seine Trainingsplanung ist eine Wissenschaft und sorgfältig wird jede Regung des Klienten notiert und in fleißiger Nacharbeit tabellarisiert. Leider kommt es selten zur Auswertung dieser Aufzeichnungen, denn vor lauter Erklärerei und penibelster Überwachung der Übungsausführung fließt selten auch nur ein Tröpfchen Schweiß im Training, weshalb darstellbare Ergebnisse ausbleiben und es somit nichts auszuwerten gibt.

Fazit: Beim Fachidioten als Trainer sind jene gut aufgehoben, die sich die 50-seitige Bedienungsanleitung eines Eierkochers Wort für Wort zu Gemüte führen und diesen nach jeder Benutzung abwaschen, abtrocknen und in der Originalverpackung verstauen.

Trainertyp: Der Frauenflüsterer

Gern zieht sich dieser Typ Trainer (es handelt sich notwendigerweise um einen männlichen Vertreter) mit seiner Klientin (er trainiert fast ausschließlich mit Frauen) in den hintersten Winkel des Gyms zurück. Er braucht die ruhige Umgebung und Abgeschiedenheit, um möglichst aufmerksam und ungestört den Plaudereien seiner „Trainierenden“ lauschen zu können. Er bevorzugt sanfte Trainingsmethoden und sein Equipment beschränkt sich nicht selten auf eine Matte und einen Pezziball. Der klassische Übungsaufbau sieht etwa so aus, dass die Klientin auf dem Rücken liegend, die Füße hochgelagert auf dem Pezziball, zu ihm spricht, während er selbst ein Knie am Boden, auf das andere gestützt und ein verständiges Lächeln im Gesicht hängend, zuhört. Seine herausragendste (und nicht zu unterschätzende) Fähigkeit besteht darin, volle 60 Minuten lang den Anschein zu erwecken, konzentriert bei der Sache zu sein.

Außerdem kann er sich ziemlich eindrucksvoll Details zu den Lebensgeschichten jeder einzelnen Klientin einprägen und an passender Stelle abrufen. Er lässt hier äußerst geschickt den Eindruck entstehen, sich auch privat mit den Erzählungen seiner Schützlinge zu befassen. Vielleicht tut er dies sogar wirklich. Auffallend am Frauenflüsterer ist auch sein häufig gutes, aber auf jeden Fall immer gepflegtes Aussehen. Trainingsseitig kommt natürlich nicht viel rum, es geschieht sogar nicht selten, dass der oben beschriebene Übungsaufbau die gesamte Stunde über beibehalten wird. Trotzdem verlassen seine Klientinnen den Frauenflüsterer stets mit einem seeligen Lächeln im Gesicht und Begrüßung und Verabschiedung beinhalten immer eine herzliche Umarmung, oft auch Wangenküsschen.

Fazit: Der Frauenflüsterer passt wunderbar zu vernachlässigten Damen mittleren Alters, deren wohlhabende Männer keine Zeit für ihre Ladys, aber die Kohle haben, um den Trainer zu bezahlen. Auch unternehmerisch erfolgreiche Frauen, die aufgrund ihres hohen Arbeitspensums keine Zeit für eine Beziehung haben, finden in diesem Trainer häufig ihren engsten Vertrauten.

Trainertyp: Der Sonnyboy

Er ist immer zu Scherzen aufgelegt, kennt jeden im Gym und klatscht bei seinem Gang durch den Gerätepark Hände ab – wie ein metrosexueller Fußballer beim Einlauf ins Stadion. Einigermaßen effizient ist bei ihm das Training der Bauchmuskeln, denn es wird viel gelacht. Der Sonnyboy ist charmant und nimmt es im Training nicht so genau mit der Ausführung der Übungen – Hauptsache alle haben Spaß! Er geht mit seinen Kunden auch gern mal privat aus und lässt sich dann ganz selbstverständlich einladen.

Der Sunnyboy ist ein absoluter Kumpeltyp, kommt häufiger mal zu spät oder auch direkt aus der Discothek mit einem Kleinen sitzen, aber unter „Kumpels“ (so sieht er seinen Klienten) ist das für ihn völlig in Ordnung. Er legt großen Wert darauf, dass er nicht gestresst wird. Auch allzu großer Erwartungsdruck, das Ergebnis seiner „Arbeit“ betreffend, ist ihm unlieb, das Geld nimmt er aber gern (so richtig als Arbeit sieht er das alles aber eh nicht, schließlich ist er ja noch in der Uni eingeschrieben als Sportstudent, wenn auch im 13. Semester und ohne da wirklich hinzugehen …).

Fazit: Zum Sonnyboy passen hervorragend Männer in der Midlife Crisis, die zwar im Training nichts großartig machen wollen, sich aber allein durch seine ansteckend fröhliche Art trotzdem 20 Jahre jünger fühlen.

Trainertyp: Der Gleichgültige

Die bloße Existenz dieser Spezies ist mir ein Mysterium. Das Wichtigste im Training mit seinem Klienten ist eine Sitzgelegenheit – für den Gleichgültigen. Trainingsvorbereitung gibt es nicht, der Klient baut sein Arbeitsgerät selbstständig auf und ab und regelmäßig erscheint er auch erst gar nicht zum vereinbarten Termin. Es wird hier nichts notiert, allenfalls zückt der Gleichgültige mal das Smartphone, um seine letzten WhatsApp-Nachrichten zu checken.

Viele Personal-Training-Klienten möchten ihren Trainern zur Weihnachtszeit ein Geschenk machen. Der Gleichgültige würde sich bestimmt riesig über so einen Anglerstuhl freuen, den man sich direkt an den Hintern justieren kann. Ich persönlich frage mich immer, wenn mir mal so ein Trainertyp über den Weg läuft, welcher Trottel bereit ist, dieser Pfeife Geld zu zahlen.

Fazit: Der Gleichgültige ist ein perfekter Trainer für den Personal-Training-Einsteiger. Nur jemand, der keinen Schimmer einer Ahnung hat, was Personal Training eigentlich ausmacht, greift für eine solche Antibetreuung in die Tasche.

Natürlich gibt es zahlreiche Mischtypen als Personal Trainer. Ich wünsche nun viel Erfolg bei der Qual der Wahl und verabschiede mich mit einem kraftvollen: SPORT FREI!

Von Coach Nico Peschke

Teil II: Trainerinnentypologie

Nico Peschke ist Personal Trainer, „Spree-CrossFit“-Betreiber und Mitgründer von „We Are Athletes – die 12 Wochen-Transformation“

Hier gehts zu Spree-CrossFit Berlin und We Are Athletes – 12 Wochen Transformation

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2018-03-01T10:16:47+00:00 0 Comments

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