#4 Home sweet Home

Silvester 2017. Genauer gesagt der 31.12.2017 Punkt 18.31 Uhr. Also wirklich das Ende des Jahres und der Beginn des Neuen. In den letzten zwei Wochen – ok, eigentlich seit Anbruch des letzten Monats des Dezembers – habe ich wie wahrscheinlich Millionen anderer Mitmenschen gefühlte 24 Kilogramm Körpermasse – ich rede leider nicht von fettfreier Muskelmasse – zugenommen. Ich neige zur Übertreibung, aber das ist das Gefühl, das mein Körper mir momentan auf der Yogamatte vermittelt. Zu fett fürs Yoga-Ballett. Gut, dass der Jahreswechsel stets als plakativer Vorwand genommen wird, gute Vorsätze für die kommenden 365 Tage zu formulieren. Kommt mir also gerade recht. Die Klassiker wie „ich möchte mehr Sport treiben“, „ich brauche mehr Entspannung“ oder „ich will einfach gesünder leben“ kann man mithilfe eines ganz einfachen Mittels angehen – eine regelmäßige Yoga-Praxis daheim auf der eigenen Matte! Kostet nix außer einer Menge Disziplin, bringt dafür aber millionenfache Erfolge für dein Wohlbefinden und den Blick auf die Waage. Damit es nicht nur bei den guten Vorsätzen bleibt, sondern auch mit der Umsetzung klappt, gebe ich euch meine besten Tipps für eine Yoga-Heimpraxis mit auf den Weg.

Täglich grüßt die Matte

Ich mag den Spruch „lieber regelmäßig wenig als selten übertrieben viel“. Genau das sollte dein Vorsatz Nummer 1 sein für dein neues Yoga-Jahr! Wichtig ist, dass du eine Routine entwickelst und diese sollte am besten regelmäßig, besser sogar täglich sein. Heißt nicht, dass du gleich mal eben am ersten Tag dir das volle 90 Minuten Power Yoga Programm geben sollst, weil du ja ach so motiviert bist. Nein, backe ruhig erst mal kleine Brötchen und beginne mit 20 Minuten Turnerei und die eben täglich, fünf bis sechs Mal die Woche. Steigern kannst du dich immer noch, sobald du eine Regelmäßigkeit entwickelt hast.

Date dich selbst

Setze einen festen Termin mit dir selbst und halte diesen dann auch unbedingt ein. Baue deinen Tagesablauf um diesen Termin herum. Siehe es als Verabredung zum Essen und anschließendem Kinobesuch mit dir selbst. Trage ihn dir in den Kalender ein und markiere ihn fett rot. Die Zeit auf der Matte ist deine Qualitätszeit. Hier geht es wirklich nur um dich, deinen Körper und deinen Atem. Dein Date sollte möglichst immer zur gleichen Zeit stattfinden. Überlege dir, welche Tageszeit dir passen würde. Ich bin absolut kein Feierabend-Yogi, aber ich kann gut nachvollziehen, wenn so manch einer Bewegungsdrang verspürt nach acht Stunden Bürohockerei. Ich habe dann lieber schon mein Soll absolviert. Unter uns: Ich war früher echt ein Morgenmuffel und bin sicherlich immer noch einer, aber auf der Matte muss ich nicht reden und falls ich mit mir rumstänkere, ist das auch ok. Morgens halb sieben ist mein fixer Termin – zumindest unter der Woche – an dem ich auf die Matte steige. Egal, ob ich will oder nicht. Egal, ob ich noch müde bin oder schon ready to go. Egal, ob meine bessere Hälfte noch in der Küche rumklimpert oder eventuell schon off to work ist. Alles egal, mein Termin steht!

Was mache ich hier eigentlich?

Du bist höchst motiviert und voller Eifer, tipptopp. Aber ein Plan, was genau du nun mit deiner Energie anfangen möchtest, wäre schon nicht schlecht. „Irgendwas machen“ mündet irgendwann in „sein lassen“ und das ist nicht der Plan. Also brauchst du Ideen, was und wie du deine Matte bespielen willst. Hier gibt es einige Möglichkeiten. Die einfachste und kostengünstigste Variante ist wohl Youtube, aber hier ist Vorsicht geboten. Nicht alle Yoga-Channels sind zu empfehlen. Wahrscheinlich 86 % aller Yoga-Videos, die kostenfrei im Netz angeboten werden, sind leider einfach Schrott. Hier musst du dich durcharbeiten und ausprobieren, welcher Yogi dir passt und was sich gut anfühlt. Ob Yoga-Starlet Mady Morrison, „Ju love Yoga“ oder „Happy and Fit Yoga“ –  auf Youtube findest Du zahlreiche Channels für Beginner, Softies und Powerpuff Yogis. Da ist für jeden etwas dabei.  Ich kann dir – nicht ganz uneigennützig – www.mymatandme.de ans Herz legen! Hier gibt es Yoga-Videos for free mit *räusper* tollen Yogalehrern. Du findest Yoga vor dem Laptop an sich gut und du würdest sogar etwas Geld dafür ausgeben? Super! Dann nutze einen der vielen Online-Anbieter wie „Yogaeasy“, „Asana Rebel“ oder „Gymondo“. Falls du nicht so der „Yoga-aus-der-Dose“-Typ bist, dann solltest du mit einem Lehrer eine feste Sequenz erlernen. Egal ob Ashtanga Vinyasa, Jivamukti oder Bikram Yoga – all diese Yoga-Stile nutzen eine oder mehrere feste Sequenzen, die gelehrt werden. Sobald du ein paar Mal als Teilnehmer die Classes besucht hast, kannst du diese sehr gut zu Hause nachturnen.

Gut equipped ist halb geturnt

Eine regelmäßige Yoga-Praxis ist auch Materialsache. Eigentlich kann es ja wurscht sein, wie du zu Hause über die Matte schwebst, denn wer sieht dich schon? So ein paar Dinge versüßen dir aber schon die „Haus-und-Hof“-Praxis. Du benötigst auf jeden Fall ein vernünftige Yoga-Matte und ich meine hier nicht unbedingt die aus der ALDI-Werbung der ersten Januar-Woche für 9,99 €. Du wirst jeden Tag Hände und Füße – meist auch den Rest deines neuen Yogi-Körpers – auf diese Matte stellen, legen und stützen. Die Matte sollte rutschfest für Beginner, möglichst dünn und lang sowie frei von Schadstoffen sein. Es gibt einige Online-Shops speziell für Yoga-Equipment, die Einsteiger-Matten für unter 50 € anbieten und diese halten dann auf jeden Fall das erste Jahr, wenn nicht sogar noch das zweite und bieten eine Menge Spaß. Falls du kompletter Neueinsteiger bist, kannst du gleich einen oder zwei Yoga-Blöcke sowie einen Yoga-Gurt mit bestellen. Muss beides nicht unbedingt sein, aber diese Props werden dir das Leben ungefähr 300 % einfacher machen und du musst nicht immer deinen Kleiderschrank nach einem Gürtel und dein Bücherregal nach dem „Lexikon in 10 Bänden“ durchforsten, um dir deine Hilfsmittel selbst zu bauen. Wo wir schon das gesamte Weihnachtsgeld von Oma auf den Kopp hauen – kauf dir gleich noch neue, bequeme und funktionelle Yoga-Klamotten. Die machen gute Laune und sorgen für etwas extrinsische Motivation. Wenn du dann zu einem rouiniertem „Homie“ geworden bist, kannst du immer noch „Schlüppi-Yoga“ einführen.

Talk, talk, talk

Erzähle möglichst vielen Freunden und Bekannten von deinem neuen Vorhaben. Deine besten Freunde, die Kollegen im Büro, deine Family – alle sollen wissen, was du vorhast im neuen Jahr. Je mehr Menschen du mit einbindest, umso mehr gehst du Verpflichtungen ein, dieses Unterfangen auch langfristig zu verfolgen. Hier findest du Unterstützer, Motivatoren und eventuelle Mitstreiter. Wer weiß, vielleicht wird dein Wohnzimmer bald zu klein für all die Yogis, die mitziehen möchten?

Input

Ich turne an sechs Tagen der Woche meine fast zweistündige Asana-Praxis zu unchristlicher Zeit allein vor mich hin, aber ab und an finde ich es doch auch toll, unterrichtet zu werden und endlich wieder Schüler zu sein. Ich gehe etwa alle ein bis zwei Monate zu meinem Lehrer und besuche mindestens ein Mal pro Jahr ein Wochenend-Seminar, um mir Inspiration von außen zu holen, mich zu belohnen und die Community der anderen Yogis zu spüren. Also, wenn dir danach ist – besuche eine Yoga-Class mit einem echten Lehrer!

Ich liebe es, meine Yoga-Praxis mit auf Reisen oder auf Workshops zu nehmen und „auswärts“ zu yogen. Genauso freue ich mich aber dann auch wieder auf meine Heim-Praxis, bei der ich meine Ruhe und genügend Platz habe, turnen kann, wann immer ich möchte und – jetzt müssen alle Ashtangis kurz mal blinzeln – auch mal Dinge ausprobieren und verändern kann. Ich hoffe, du findest deine neugewonnene Homebase genauso toll wie ich und freust dich die nächsten 365 Tage darauf, in deinen eigenen vier Wänden deinen persönlichen Zielen täglich näher zu kommen! Auf die Matte – fertig – los!

Das Buch von Michaella Weller “Cross-Yoga für Sportler” gibt es hier!

Fotos und Videos by André Siodla MEDIA2MOVE

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2018-02-19T18:40:15+00:00 0 Comments

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