about-self-employment 2017-12-26T14:15:03+00:00

selbstständigkeit in der sport- und fitnessbranche

das hobby zum beruf machen und als fitness- oder kurstrainer selbständig arbeiten

Ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit, gute Verdienstmöglichkeiten und frei bestimmbare Arbeitszeiten sind Vorteile, die den Beruf des Fitnesstrainers und/oder des Kurstrainers attraktiv machen. Gerade in der dynamischen Fitness- und Gesundheitsbranche stehen die Chancen sehr gut, sich erfolgreich selbständig zu machen. Dieser Markt, in dem auch Wellness und Ernährung angesiedelt sind, wächst, da die Gesellschaft zunehmend gesundheitsbewusster wird.

Fitness- und Kurstrainer und ermöglichen ihren Kunden, individuelle Zielstellungen sportlich zu verwirklichen: Vom Abnehmen, der Vorbereitung auf ein sportliches Event bis hin zur Verbesserung der körperlichen Konstitution kann das Aufgabenspektrum variieren.

analyse der eigenen fähigkeiten

Wenn man sich – neben dem Job oder hauptberuflich – als Trainer etablieren möchte, muss man sich zunächst mit seinen eigenen Kompetenzen auseinandersetzen. Ganz grundsätzlich sollte man eine Leidenschaft für das Unterrichten haben, kommunikativ und empathisch sein und andere begeistern können.

Grundsätzliche Voraussetzungen sind:

  • praktische Erfahrung
  • Kenntnisse der Physiologie und Anatomie
  • Empathie und pädagogisches Geschick

Die praktische Erfahrung muss nicht zwingend aus dem Berufsleben stammen, auch viele Jahre Praxis auf hohem Freizeitniveau sind eine gute Basis. Die Theorie  und das Fachwissen sollte durch Fachliteratur und entsprechende Aus-und Weiterbildung erarbeitet werden. Zudem gibt es auf dem Aus- und Weiterbildungsmarkt eine Vielzahl von Anbietern, welche adäquate Qualifizierungen offerieren.

zielgruppendefinition

Diese Fragen sollte man sich im Rahmen der Zielgruppendefinition stellen:

  • Möchte ich meine Leistungen im Vereinswesen anbieten?
  • Möchte ich Gruppenfitnesskurse in Fitnessstudios anbieten?
  • Ist das 1 : 1-Training mit dem Kunden als Personalcoach eher meine Ausrichtung?
  • Möchte ich Leistungen in Rahmen von BGM-Maßnahmen an Unternehmen anbieten?
  • Möchte ich mich mit einem eigenen Studio etablieren?

Es gibt viele Möglichkeiten in der Sport- und Fitnessbranche Fuß zu fassen. Häufig ist es eine Reise mit verschiedensten Stationen, in denen man sein Knowhow, seine Expertise und sein Netzwerk sukzessive aus- und aufbaut. Die Zielgruppe ergibt sich oft ganz automatisch durch die eigene Persönlichkeit und die ersten Stationen nach Erwerb geeigneter Qualifikationen bzw. Lizenzen.

bedeutung des berufsbildes

Was bedeutet eigentlich Empathie und pädagogisches Geschick?

  • dass man sich in die Situation seiner Kunden hineinversetzen kann
  • dass man die Voraussetzungen seiner Kunden immer im Blick hat
  • dass man das anvisierte Trainingsziel nie aus den Augen zu verliert
  • dass man verschiedene Unterrichts- und Coaching-Methoden kennt und anwendet

Wo liegen die Stärken?

Es ist empfehlenswert sich zunächst auf ein kleineres Angebot zu konzentrieren, für welches man besonders viele Vorkenntnisse mitbringt. Mit zunehmender Erfahrung kann man das Angebot sukzessive ausweiten und als Marke etablieren.

buchhalterische prozesse

Als selbständiger Trainer oder Instructor stellt man für gewöhnlich seine erbrachten Leistungen in Rechnung. Man verantwortet die eigene Buchhaltung sowie das eigene Marketing und Controlling – eben ein eigenes Unternehmen.

Ein gewisses Maß an buchhalterischen und unternehmerischen Know-How sollte daher jeder Selbständige mitbringen. Alternativ sollten hierzu spezialisierte Berater konsultiert werden.

Für Berufseinsteiger ergeben sich zwei Strategieoptionen: Entweder man arbeitet freiberuflich in verschiedenen Fitnessstudios, mit denen man seine Leistungen abrechnet oder aber man arbeitet vollständig auf eigenen Namen. Bewährt hat sich eine Kombination aus beidem, um die Auslastung zu erhöhen.

die abrechnung

Typischerweise werden die Leistungen in Minuten- oder Stunden-Sätzen abgerechnet. In diesen ist bereits die Vorbereitung enthalten, die zu Anfang zeitintensiv sein kann. Abrechnungssätze sind je nach Zielgruppe, Erfahrungsgrad und Region sehr unterschiedlich. Am leichtesten startet man bei Fitnessstudios in der Nähe, um zunächst praktische Erfahrungen zu sammeln. Hier sind Stundensätze von 10-25 Euro netto die Regel. Dabei wird oft in den westlichen und südlichen Bundesländern mehr bezahlt als im Norden oder Osten Deutschlands.

Besonders interessant kann die Möglichkeit einer Hospitation bei einem “Kollegen” sein, um sich mit den Abläufen vertraut zu machen. Manchmal ergibt sich daraus auch eine spätere Zusammenarbeit, z.B. als Urlaubsvertretung. Viele Fitnessstudios zahlen für “Trainer-Anfänger” zunächst einen geringeren Abrechungssatz, der sich im Laufe der Zeit erhöht. Es zeigt sich, dass es sinnvoll ist, sein Netzwerk in der Nähe des eigenen Wohnsitzes aufzubauen.

Mit mehr Erfahrung und einer anfänglichen Konzentration auf ein bis zwei angebotene Leistungen wird die Vorbereitungszeit abnehmen und der Ertrag steigen. Die anfangs intensive Vorbereitungszeit sollte als Investition in die berufliche Zukunft gewertet werden.

Das Training mit Kunden kann in Fitnessstudios, an der frischen Luft, beim Trainer oder direkt beim Kunden erfolgen. Auch Unternehmen beauftragen immer häufiger selbständige Trainer, um Trainingseinheiten im Rahmen von BGM-Maßnahmen durchzuführen. Ohne ein gewisses Vertrauensverhältnis, das auf Sympathie fußt, ist eine langfristige Kundenbindung jedoch schwierig.

formale aspekte

Die Ausbildung zum Fitness- oder Kurstrainer ist staatlich nicht eindeutig geregelt. So ist das Erlernen des Berufes auf den ersten und zweiten Bildungsweg oder durch den modularen Erwerb von Trainerlizenzen und Scheinen möglich. Obligatorisch für die Arbeit als Trainer ist immer ein Erste Hilfe Kurs, um in Notfallsituationen professionell reagieren zu können.

Bei der Wahl der Rechtsform spielt die persönliche Berufsqualifikation, die sich auf §18 EStG stützt, eine Schlüsselrolle: Studierte Fitnessökonomen und Fitnesstrainer mit Lizenzen müssen nicht obligatorisch ein Gewerbe anmelden und können einen freien Beruf für sich beanspruchen. Möchte man über die Lehr- bzw. Unterrichtstätigkeit als Fitness- oder Kurstrainer hinaus Produkte vertreiben oder eigene Räumlichkeiten anmieten, ist der Gewerbeschein unumgänglich. Diesen kann man bei der für die Region zuständigen Behörde1 beantragen.

Neben der Wahl der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung muss geprüft werden, ob die Kleinunternehmerregelung gemäß §19 UStG in Anspruch genommen wird, um in der Startphase die buchhalterischen Aufgaben zu vereinfachen. Diese Regelung befreit den Selbständigen von der Pflicht zum Ausweis der Umsatzsteuer bei einem Jahreseinkommen von unter 17.500 €. In der Jahressteuererklärung füllt der Selbständige das Formular „EÜR“ (Einnahmeüberschussrechnung) aus, indem die Kosten gegenüber den Einnahmen aufgestellt werden. Verdienen der Selbständige dauerhaft mehr als 17.500 € im Jahr, fällt Einkommensteuer an.

rechtsform, sozialversicherung, scheinselbständigkeit und berufshaftpflicht

Eine Analyse des Marktes ist maßgeblich für die eigene Positionierung. Darüber hinaus sollte noch vor Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) prognostiziert werden. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass der Umsatz nicht dem Gewinn entspricht. Erst nach Abzug der Ausgaben für Fahrtkosten, Bekleidung, Equipment, Fachliteratur und Berufshaftpflicht sowie der Abgaben an die Sozialversicherungen und das Finanzamt kann man wirklich abschätzen, ob der Schritt in die Selbständigkeit als Fitness- oder Kurstrainer dauerhaft gewinnbringend ist.

Um nicht in eine Scheinselbständigkeit zu fallen, ist die Akquise mehrerer Kunden, für welche Leistungen auf Rechnung erbracht werden, unumgänglich. Wir empfehlen hier noch vor Aufnahme der Selbständigkeit die Rücksprache mit dem Rentenversicherungsträger.

Ein gewisses unternehmerisches Risiko bergen zudem Trainingsunfälle, die sich nie ausschließen lassen. Insofern sollte an einer entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung nicht gespart werden.

Generell sind, sofern kein Unternehmen gegründet und keine Räume angemietet werden, die Kosten für den Start in die Selbstständigkeit gering.

vermarktung und positionierung des eigenen angebots

Mit einer eigenen Onlinepräsenz können selbstständige Trainer nicht nur Kunden und Aufträge akquirieren, sondern auch die Kundenbindung ohne großen Arbeitsaufwand stärken: So können etwa Tipps oder Videos für das Workout daheim oder Rezepte und Blogbeiträge helfen, das eigene Angebot zu vermarkten. Zufriedene Kunden empfehlen den Trainer gerne weiter.

Mit zunehmender Expertise und einem bestehenden Kundenstamm  liegt eine weitere unternehmerische Möglichkeit im Ausbau des eigenen Angebotes. So kann der selbständige Trainer sich bspw. zusätzlich als Fitnessblogger oder Fitnessmodel zur Verfügung stellen oder Mystery Checks / Servicechecks für Fitnessanlagen anbieten. Auch im zusätzlichen Vertrieb von Supplements oder Equipment und im Betrieb eines eigenen Studios, ggf. im Rahmen eines Franchisesystems, liegen Chancen, um das Business zu manifestieren und zu skalieren.

Vorteile

  • Zukunftschancen in einem wachsenden Markt
  • gute Verdienstmöglichkeiten je nach Qualifikation, Erfahrung und Leistungsspektrum
  • facettenreicher Berufsalltag mit unterschiedlichsten Menschen
  • vielfältige Einstiegsoptionen (zunächst nebenberuflich, dann hauptberuflich, sukzessiver Aufbau des eigenen Business)

Nachteile

  • Gefahr von Unfällen/Verletzungen > Berufshaftpflichtversicherung
  • Arbeitszeit liegt häufig in anderer Leute Freizeit (Wochenende, abends)
  • es dauert eine Weile, sich einen eigenen Kundenstamm aufzubauen.

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