pink karma – Yogagainz, Baby!

Yogis sind Bodybuilder! Bitte – jetzt nicht gleich Gesichtsgulasch zum Ausdruck bringen und die Mittelfinger ausfahren. Ich behaupte das von den Ashtangis, zu denen auch ich gehöre. Sicherlich kann man diese für den einen oder anderen gewagt erscheinende These auch auf andere kraftvolle Yogastile wie Power oder Vinyasa Yoga ausweiten. Aber da ich nun mal seit einigen Jahren Ashtanga Vinyasa Yoga übe, kann ich eben nur über diese spezielle Art Yogis sprechen. Bodybuilding und Yoga sind vielleicht näher beieinander als wir das vermuten würden und uns das wahrscheinlich lieb wäre. Nichts klingt abwegiger als diese Gegenüberstellung zweier absoluten Extreme. Mach‘ dir mal zur Entspannung einen Bio-Lavendeltee, nimm‘ dir ein oder zwei glutenfreie Chiakekse und lass dich ein auf einen kleinen Vergleich.

Alles reine Optiksache

Bodybuilder trainieren nicht, um mit Gewichten und Wiederholungszahlen angeben zu können – sie formen ihren Körper. Die Gewichte und oftmals haarsträubenden Übungen sind dabei nur Mittel zum Zweck, um die eine oder andere Muskelpartie noch weiter herauszuarbeiten. Was zählt, ist die reine äußere Erscheinung. Hier noch ein bisschen mehr Muskelbeule, da noch ein bisschen weniger Fett und finaler Weise noch mal mit der Rolle etwas braune Mumpe drübergekleistert. Ob man das Endprodukt als anziehend oder abschreckend bezeichnen möchte, sei jetzt mal dahingestellt und ist Gottseidank individuelle Geschmacksache. Irgendwie sind die Bodybuilder – wie der Name schon sagt – „Körperbauer“, also Bildhauer. Das Material ist der Körper selbst und das Gym wird zum Werkzeug. Als Yogi machst du im Prinzip nichts anderes. Wir lieben es, mit dem Körper bestimmte Formen zu bauen. Auf der Matte entstehen Dreiecke, Heuschrecken, Hunde und himalayanische Flugenten – in Fachkreisen auch „Karan – the Bitch“ genannt, weil sie eine Schlüsselposition der zweiten Ashtanga Vinyasa Yoga Serie ist, an der millionenfach verzweifelt und literweise Rotz und Wasser geheult wird. Aber zurück zum Thema! Als Yogis benutzen wir unseren eigenen Körper, um bestimmte Shapes zu kreieren. Ja, ich weiß! Das Ergebnis ist – oder besser gesagt soll – dabei nicht so wichtig sein wie der Weg zum Kopf-, Unterarm- oder Handstand, aber mal unter uns – sind wir nicht alle stolz wie Bolle, wenn die Beine endlich hinterm Kopf sind und das Foto bei Instagram hochgeladen? Eben. Das Ergebnis zählt also nun mal doch, ob wir das wollen oder nicht. All diejenigen, die sagen, Yoga soll frei vom Ego sein, sollen ihre Instagram-Konten löschen und ihre überteuerten Yoga-Klamotten in die Kleiderbox geben. Danke.

Von nix kommt nix

So ein Bodybuilder ist schon eine arme Sau. Morgens wird auf leerem Magen die erste Cardio-Session, Antifa-like vollvermummt, mit nüchternem Magen, auf dem Crosstrainer hinter sich gebracht. Schlechte Laune inklu, denn der Hunger ist mindestens genauso groß wie die Unlust auf gefäßerweiternde Maßnahmen zu früher Morgenstunde. Ich bin morgens um halb sechs auch keine pure Lebensfreude, wenn ich aus dem Bett falle und meinen übermüdeten Kadaver auf die Matte schleife. Manchmal denke ich mir so: „Gut, dass dein Gehirn noch pennt. So kriegt es wenigstens nicht mit, was du hier vorhast!“. Wenn es dann soweit ist, dass meine grauen Zellen sich dazu durch gerungen haben, mitzuturnen, ist die Hälfte der Praxis meist schon rum und es wird sich emsig darum gekümmert, Überlegungen über den Kühlschrankinhalt und dessen variabler Zusammenstellung auf Toast anzustellen. Komisch nur und ungemein hilfreich für die Linie, dass man dann nach der Yoga-Turnerei meist keinen wirklichen Appetit verspürt. Bodybuilder wie auch Yogi sind eigentlich erst nach der morgendlichen Frühsport-Session so wirklich kompatibel mit Umwelt und Mitmenschen. Vorher sollten beide Spezien unbedingt gemieden werden, außer man ist lebensmüde oder ein Freund des russischen Roulettes.

Every damn Day

Ein Tag ohne Yoga? Unvorstellbar! Als Ashtangi hüppe ich meist sechs Mal pro Woche für mindestens anderthalb Stunden auf der Yoga-Matte rum. An dem Tag, an dem ich nicht übe, fehlt was. Wenn ich nicht wüsste, dass der Körper auch mal etwas Erholung braucht – ich würde auch den siebenten Tag auf der biologisch abbau- und kompostierbaren Naturkautschukunterlage beginnen. Sag mal einem Bodybuilder, dass er heute nicht ins Gym kann, obwohl doch Brust und Trizeps (Sorry, leider kein Leg Day, sonst wäre die Entscheidung total easy!) dran sind! Die Enttäuschung kommt ungefähr gleich dem eines veganen Neuköllner Hipsters, dem man nur den stinknormalen Filterkaffe im Kännchen mit Kaffeesahne vorsetzt, weil die Bio-Hafermilch alle ist und die Original-italienische Espressomaschine gerade gewartet wird. Herzlichen Glückwunsch – wieder ein Leben in Nullkommanix zerstört! Der Yogi wie auch der Bodybuilder brauchen eben ihre tägliche Dosis Quälerei und Schmerzen. Wir scheinen da irgendwie drauf zu stehen. Ganz schlimm sind trainingserschwerende oder – kaum vorstellbar und noch schlimmer – trainingsfreie Zeiten wie Urlaube, Krankheiten und Verletzungen. Aber das wäre eine Extra-Story wert.

Käsebretzel

Unter uns, ich bin froh, dass ich mein Essen nicht mit der Waage abmessen und auch eigentlich keine Vorschriften befolgen muss. Aber ähnlich sind wir uns schon – die Yogis und die Bodybuilder. Wir beide haben irgendwie eine Klatsche. Vielleicht sind die Yogis nicht ganz so strikt, aber Vollfuttern ist absolutes No Go! Kein Yogi möchte einen adipösen Körper durch die Yogapraxis schleppen müssen. Zumal dann einige Positionen nicht so einfach zu realisieren sind. Versuch mal zur Yoga-Bretzel zu werden mit einem Käsebrot zwischen den Rippen. Garantiert kein Spaß! Zum Thema „Weichteilhemmung in bestimmten Positionen“ steht in einem Yoga-Buch geschrieben: Eat less – exercise more! Facepalm. Danke für den Tipp! Ähnlich, aber auf jeden Fall konsequenter sieht da die Ernährungsweise eines Bodybuilders aus, der sonntags gefühlte fünf Stunden in der Küche steht, um seine Tupperdosen für die kommende Woche mit pampigen Reis, trockenem Hühnchen und klatschigem Gemüse zu füllen. Alles ohne Soße und Geschmack, versteht sich. Guten!

Einer von wenigen

Die gesamte Welt rennt in Fitnessstudios, CrossFit-Boxen oder Sportvereine – aber nur eine ganz kleine Gruppe davon betreibt Bodybuilding, wird dabei belächelt oder vielleicht auch etwas diskriminiert. Nun, nahezu jeder macht auf einmal Yoga, aber vermutlich nur 0,6 % Ashtanga Vinyasa Yoga. Wir sind die schwarzen Schafe unter den Yogis. Wir sind diejenigen, die „nur rumturnen“ und nicht alle Tassen im Schrank haben, denn wer hat schon Bock auf tägliche Schinderei in aller Herrgottsfrühe? Keiner. An all die Bodybuilder da draußen – ich fühle mit euch! Von einer denunzierten Randgruppe zur anderen – ihr seid nicht allein. Ich verstehe euch!

Meine Bux‘ und ich

Wenn ich an einen Bodybuilder denke, sehe ich immer ein Michelin-Männchen in Schnellficker-Hosen und Muscleshirt vor mir. Nicht gerade ein optisches Highlight, aber so manch eine Yoga-Pants wünsche ich mir auch an anderen Beinen. Die These „Leggings kann wirklich jeder tragen!“ kann ich nun echt nicht bestätigen. Während der Yoga-Class no prob! Aber 24/7 ist da eine komplett andere Nummer. Irgendwann muss es den Punkt gegeben haben, an dem Leggings die ganz normalen Hosen abgelöst haben und hier begann das Unheil. Da wünsche ich mir für manchen doch die Schnellficker-Hose – meinetwegen auch in Frottee und schwarz-gelb gestreift – aber bitte keine hautnahe Elasthan-Pelle, die einfach alle Traumata-auslösenden Deformationen enthüllt. Zumal ich mir sicher wäre, dass die Kombi aus „Pluder-Pumper-Hose“ und nur knapp brustwarzenbedeckendem Shirtfetzen sicherlich eine ganz neue Welle an Stilbewusstsein in Berlin-Neukölln, -Friedrichshain und -Mitte auslösen würde, wetten?

In diesem Sinne, ich geh‘ mal auf die Matte – pumpen, Digga, pumpen!

Das Buch von Michaella Weller “Cross-Yoga für Sportler” gibt es hier!

Fotos by André Siodla MEDIA2MOVE

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2018-03-16T22:04:27+00:00 1 Comment

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