CrossFit Athlet Hendrik Senf im Interview

Gewinner beim Beast of Berlin, 1. Platz beim Halfway There Throwdown, Ambassador für Capital Sports, FOS und Evope-Nutrition – Hendrik Senf hat 2017 gerockt und steht mit seinen 21 Jahren erst am Anfang einer Athleten Karriere.

Wir haben Hendrik zum Interview in seiner Homebase CrossFit Box Aorta in Berlin Tempelhof getroffen und haben ihn dort einen ganzen Tag lang beim Training begleitet und über die Schulter geschaut.

Gut gelaunt erzählt er uns von seinem wöchentlichen Trainingspensum, der Trainingsbetreuung durch seinem Opex-Coach James Taylor, dem Zusammenhalt in der Community und der Unterscheidung von Trainingsschmerzen:

Im CrossFit herrscht der Irrtum „Durchziehen, bis es nicht mehr geht.“. Das ist falsch. Im Training gehst du fast nie an deine Grenzen. Du hörst auf, wenn deine Haut verletzt ist oder du funktionelle Schmerzen verspürst.

Du hast doch sicher auch einen Schweinehund? Wenn du morgens aufstehst und dir noch immer alles vom letzten Training schmerzt, was motiviert dich da? Warum machst Du das alles?

Ich möchte der Beste werden! In 2018 sind die Regionals das Ziel.

Kannst du den Lesern, die dich noch nicht kennen, kurz etwas über dich erzählen?

Ja, sehr gern. Ich bin Hendrik, 21 Jahre alt und ihr trefft mich auf CrossFit Wettkämpfen oder beim Vorbereiten dafür. Neben dem eigenen Training studiere ich Sportwissenschaften und arbeite freiberuflich als Personal Trainer.

Wann und wie genau bist du denn eigentlich zum CrossFit gekommen?

Ich war vor knapp 4,5 Jahren bei einem Schüleraustausch in den USA, Sommer 2013. Ein Freund hat mir per LiveStream die CrossFit Games gezeigt, also das größte Turnier des Fitness-Sports. Ich war Feuer und Flamme, es selbst einmal auszuprobieren.

Zurück in Deutschland musste ich feststellen, dass ich mir den Monatsbeitrag für eine „Box“ gar nicht leisten kann. Ich habe mich daraufhin für einen Job im Kino beworben und mein Taschengeld aufgestockt, bis ich es mir leisten konnte – das war im Januar 2014, bei CrossFit Potsdam.

Innerhalb kurzer Zeit hast du dich zur Spitze der deutschen CrossFit-Szene vorgearbeitet. Wie hast du das geschafft?

So kurz war das gar nicht. Mittlerweile bin ich 4 Jahre im CrossFit! Der Grund warum es auf einmal sehr schnell geht, ist dass ich die letzten Jahre den Grundstein gelegt habe und jetzt darauf aufbauen kann.

Um es leicht zu erklären, die meisten Neulinge im Sport wollen schnelle Erfolge sehen, ich selbst eingeschlossen. Das Problem, wer immer Volldampf macht hat schnelle Resultate, die aber genauso schnell wieder abflauen. Das Verletzungsrisiko steigt und man vergisst an der Basis zu werkeln. Was ist die Basis? Kraft, Mobilität, Technik und Grundlagenausdauer.

Mit dem Vorbild der CrossFit Games als Einstieg in die Scene, wollte ich von Anfang an ganz nach oben. Zur Hilfe habe ich inzwischen einen Coach von OPEX-Fitness, der mich dabei unterstützt und mich zügelt wenn ich zu viel auf einmal will.

Hast du ein athletisches Vorbild?

Um ehrlich zu sein, habe ich das nicht. Ich mag Marcus Filly gerne! Marcus hat einen Wahnsinns Körper, trainiert clever, mit viel Kreativität und ist finanziell super aufgestellt.

Hast du ein LieblingsWOD?

Wenn es nach Leistung geht, freue ich mich wenn FRAN auftaucht.

  • 21-15-9 Reps For Time
  • Thrusters (95/65 lb)
  • Pull-Ups

So richtig Spaß machen mir aber Workouts mit vielen Toes-to Bar und Burpees, kurz und knackig oder lang und zäh, ist mir beides recht.

Du trainierst in der Berliner Box Aorta, deren Athleten 2017 mehrere Wettkämpfe erfolgreich für sich entschieden haben. Wie wichtig ist die richtige Box zum Erreichen der Ziele?

UNFASSBAR WICHTIG. Wenn eine Box kein „Open Gym“ anbietet, wird es schwierig auf ein hohes Level zu kommen. Genauso gut ist es, ambitionierte Leute um sich zu haben! Man muss nicht immer unbedingt zusammen trainieren – ich trainiere zu 95% allein – aber die Kommunikation macht es und die geteilten Ziele.

Man gewinnt den Eindruck, dass sich die Trainings-Teilnehmer kameradschaftlich anfreunden. Welche Rolle spielt der soziale Aspekt beim CrossFit?

Der Eindruck trügt nicht! Ich denke, fast jeder, der in einer CrossFit Box sportelt, kennt diesen Zusammenhalt. Ich habe es sowohl in Potsdam als auch in Berlin erlebt. Das sich die Teilnehmer zur Begrüßung die Hand geben ist einfach schön, da geht man gerne zum Sport. Nur wenn man mal einen schlechten Tag hat und am liebsten allein sein würde, ist die Fitnessstudio-Anonymität verlockend.

CrossFit beinhaltet jede Menge Elemente aus dem olympischen Gewichtheben, die sehr viel Technik erfordern. Werden dadurch nicht Sportler bevorzugt, die aus dem Gewichtheben kommen?

Ja und ebenso könnte man sagen, Turner haben einen Vorteil. Man könnte auch sagen, Triathleten haben einen Vorteil, weil sie so eine gigantische Ausdauerbasis haben. …oder Footballspieler, weil sie eine klasse Athletik mitbringen.

Im Grunde genommen hat jeder einen Vorteil, der bereits eine Sportliche Basis hat. Ich sehe Gewichtheber da nicht vor irgendwelchen anderen Sportarten. Mittlerweile wird CrossFit im Wettkampf einfach so breit, dass Spezialisierung alleine es nicht tut. Dass Mat Fraser (ehemaliger Gewichtheber) jetzt die Nummer eins der Welt ist, liegt nicht am Gewichtheben, sondern an seiner Persönlichkeit. CrossFit ist ein Sport der harte Arbeit honoriert.

Welche Rolle spielt die Ernährung und Regeneration für dich in der Wettkampfvorbereitung?

Das ist eine tolle Frage. Regeneration spielt eine unfassbar wichtige Rolle, Ernährung packe ich mal als einen Teil dazu. Die wichtigsten Bausteine bei der Regeneration sind die Ernährung und der Schlaf. Grundsätzlich gilt, wer die beiden Punkte vernachlässigt, braucht sich nicht mit Supplements vollstopfen und auf die Regeneration aus der Dose hoffen.

Zusätzlich zum vernünftigen Essen und dem guten Schlaf kommen dann bei mir die Extras, dazu zählen: ein ausgiebiges Cooldown nach dem Training (Radfahren, Ausgehen, Mobilität,…),  Wechselwarmes Duschen, und eine Blaufilterbrille für das bessere Einschlafen. Außerdem ergänze ich Zink, Gaba, Omega3 und Vitamin D.

Wenn wir einen Blick in deinen Kühlschrank werfen würden, welche Top 10 Lebensmittel würden wir dort finden?

Bitte nicht reingucken, ist total unaufgeräumt! Falls doch, ich habe immer Zucchini und Brokkoli da, Himbeeren und Heidelbeeren, Bananen und Äpfel. Trotz aller Kontroversen liebe ich  (Bio-, Vollfett-) Milch und Fleisch, welches Fleisch, variiert. Im Gefrierfach ist immer Lachs und neben dem Kühlschrank liegen Süßkartoffeln.

Nimmst du Supplements zu dir? Wenn ja, welche?

Ja, ich nehme Supplements zu mir. Täglich trinke ich etwa 1-2 Eiweiß-Shakes. Ich supplementiere vor allem im Winter mit Vitamin D3 und für die Leistungsoptimierung nehme ich Creatin zu mir. Zusätzlich nehme ich das Recovery und die Minerals von Evope-Nutriton, da steckt aber zu viel drin, um alles aufzuzählen. Sagen wir, ich würde nicht die Kombination kaufen, dann wären bei mir noch Magnesium, Gaba und eine Multivitamintablette auf der Liste.

Welche Musik motiviert dich beim Training?

Das ist super unterschiedlich! Wenn ich laufen gehe finde ich Musik à la Bishop Briggs oder Russ super, das ist eher ruhig und lässt einen träumen. Wenn es hart werden muss, dann knallen mir entweder Metal, aggressiver Hip Hop oder Alternative Songs von Linkin Park und Co. um die Ohren. Ist das Training einfach nur, um mit den Jungs eine gute Zeit zu haben, tut`s auch Teenie Hip-Hop (Drake, Dj Khaled, Desiigner).

Wie siehst du die Zukunft des CrossFit? Wohin geht der Sport?

Ich denke, dass langfristig der Name „CrossFit“ nicht mehr so eine Rolle spielt, aber funktionelle Fitness weiter wachsen wird. Das Ganze wird noch richtig groß, mit mehr Leuten, die auf Fitness Wert legen, anstatt nur auf die Optik zu schauen. Im Leistungsbereich werden wir noch riesige Sprünge erleben, Profis die von Kind an darauf trainieren im CrossFit, oder Mutationen davon, richtig gut zu werden. Ich freu mich drauf!

Müssen normale Fitnessstudios deiner Meinung nach umdenken?

Das Umdenken passiert bereits. Herkömmliche Fitnessstudios werden aber auch ohne „CrossFit“ weiterhin erfolgreich bleiben. Der Fitnessmarkt wächst insgesamt. Ohne Experte zu sein, glaube ich, dass es schwierig ist, für reguläre Fitnessstudios einen Functional Fitness Bereich einzugliedern (und dafür Geräte rauszuschmeißen), der sich finanziell lohnt.

Ich glaube, es warten in den kommenden Jahren große Projekte auf uns, mit neuen Konzepten, um Fitnessstudio und Functional Fitness à la CrossFit zu kombinieren.

Welche Ziele hast du sportlich in 2018?

Es stehen die CrossFit Games Open vor der Tür – alles Geben, das ist mir wichtig! Natürlich möchte ich zu den Regionals, den Europameisterschaften. Ich bin nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt, NUR wenn ich nicht alles dafür getan habe.

Ansonsten habe ich mir für dieses Jahr noch die Fitness Bundesliga vorgenommen. Ein ruhiges Jahr also… aber welches Leben ist schon planbar ? 😉

https://www.instagram.com/p/BbzIANGBBlr/?taken-by=hendrik_senf

Olympia, Superbowl, Weltmeisterschaft oder Pokalfinale – Sportler brauchen Ziele und wollen sich messen. Nur „Fitness“ wurde lange Zeit nicht als Profisport anerkannt.

Die CrossFit Games sind in 3 Schritte unterteilt. Sie beginnen alljährlich mit der offenen Qualifikationsrunde, den CrossFit Open. 6 Wochen lang haben Athleten die Möglichkeit, die vorgegebenen „workouts of the week“ in ihren CrossFit-Boxen abzulegen oder selbstständig zu filmen. Männer und Frauen können in verschiedenen Altersklassen antreten und auch Teams bilden eine eigene Kategorie. Die Ergebnisse werden online ausgewertet. Nur die besten 30 Männer, 30 Frauen und 30 Teams werden dann zu den regionalen Wettkämpfen, den CrossFit Regionals, eingeladen.

An 3 Tagen treffen die Athleten aufeinander und kämpfen um die 3 Qualifikationsplätze für die finalen Spiele, die CrossFit Games. Hier kämpfen ebenfalls an 3 Tagen die besten Fitnesssportlern der Welt gegeneinander. Die Workouts werden bis zur letzten Minuten geheim gehalten und variieren von Jahr zu Jahr.

Als im Jahr 2007 die ersten Crossfit Games mit etwa 100 Zuschauern auf Dave Castro’s Ranch in Kalifornien stattfanden, war das Medieninteresse noch recht gering. Die Leistungen der Sportler überzeugten jedoch nicht nur die Zuschauer, welche in den kommenden Jahren auf einen sechsstelligen Bereich anwuchsen.

Mit dem Sportartikelhersteller Reebok wurde in 2011 ein potenter Partner für die Games gefunden und der Bekanntheitsgrad der Spiele weiter gesteigert. Verträge von internationalen Top-Athleten wie Josh Bridges und Rich Froning sind vergleichbar mit Verträgen von Profisportlern aus NBA und NFL. Der amerikanische Sportsender ESPN überträgt die CrossFit Games live und sie können auch online im Stream verfolgt werden.

Auch in Deutschland wurde CrossFit populärer, was sich nicht zuletzt in zunehmenden Wettkämpfen wiederspiegelt. Die reine Anzahl und Größe an  Sponsorships für regionale, nationale und internationale Individual- und Team-Competitions spricht dafür, dass der einstige Underground Sport CrossFit auch in Deutschland immer mehr im Mainstream anzusiedeln ist. Sponsoren wie RockTape, Evope,  FOS und Foodspring tragen maßgeblich zum Bekanntheitsgrad und zur Popularität bei. Aber auch im Profisport hält CrossFit immer mehr Einzug. Big Player wie Nike haben CrossFit mittlerweile auch im deutschen Athletensponsoring auf dem Radar.

So können wir auf einen immer professioneller werdenden Sport blicken und uns sicher zukünftig auf noch mehr Livestreams freuen.

Lieber Hendrik, wir drücken von Herzen die Daumen und bedanken uns für deine Zeit und das Interview!

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2018-01-11T09:35:23+00:00 0 Comments

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