Der Schlüssel zum Glück in der täglichen Hygiene

Das erste kurze Herzstolpern habe ich, wenn ich meine Hand hinein halte. Beim Schritt hinein holt mein Herz scheinbar kurz Schwung und hämmert es mir mit einem Paukenschlag bis in den Hals. Meine Muskeln spannen sich augenblicklich an und meine Atmung setzt einen Moment aus, um dann, tief Luft ziehend, mit eindeutiger Tendenz zur Hyperventilation, wieder ein zu setzen. Mein Geist schlägt Kapriolen während ich kaum mehr Herr meiner selbst bin. Das ist der Moment der Entscheidung. Bis hierhin lief alles in Autopilot, jetzt muss ich die Kontrolle übernehmen.

Nichts für Warmduscher

Gelingt mir dies nicht, werde ich bald abbrechen müssen. Ich beginne also meine Atmung willentlich zu beruhigen. Ich zwinge sie in einen Rhythmus, regelmäßig und kontrolliert. Mittlerweile bin ich so gut trainiert, dass ich mich an den letzten Abbruch nicht mehr erinnern kann. Allmählich beruhigt sich also der Körper. Die Atmung dirigiert den Herzschlag, der Geist sortiert sich und denkt wieder wie gewünscht. Mir ist warm. Ausreichend warm. Ich kann es aushalten. Es ist nicht gemütlich, nicht bequem, nicht scheiß komfortabel, aber es hat durchaus seinen Reiz. Ich drehe und wende mich eine Weile, bisweilen nutze ich das Duschbad und schließlich schraube ich den Wasserhahn zu. Ich greife nach meinem Handtuch, schubbere mich kurz trocken und spüre das Blut durch meine Adern strömen, hin zur Haut, die sich leicht rötet. Mein Körper fühlt sich hart und elastisch zugleich an, mein Geist ist aufgeklart und wach. Ich verlasse die Dusche und bin bereit für alles.

Aus der Not wird eine Tugend

Im August letzten Jahres gab es in meiner CrossFit Box ein technisches Problem am Warmwasserspeicher. Einige Tage lang hatten wir ausschließlich kaltes Wasser. Ich musste mich also notgedrungen unter die kalte Dusche stellen. Ich bemerkte beim allerersten Mal, dass dies hier eine Sache ist, die raus fällt aus dem Alltagstrott. Eine ganz eigene Erfahrung, so trivial und doch so extrem, dabei absolut gefahrlos. Perfekt! Ich beschloss also, auch nachdem unser Warmwasser wieder funktionierte, die Praxis des täglichen kalten Duschens beizubehalten.

Natürlich begann ich auch umgehend mich im Netz zu diesem Thema umfassend zu informieren. Kalt duschen ist letztlich ja ein alter Hut. Schon früher als Bengel bekam ich von meinem Opa, morgens einen kalten Lappen ins Gesicht und um den Nacken gewischt, wenn ich das Wochenende bei meinen Großeltern verbrachte. Und im Sommer musste ich vorm zu Bett gehen unter die kalte Gartendusche. Unter den Männern meiner Familie konnte man sich eine Menge Respekt verdienen, wenn man möglichst früh im Jahr anbaden ging, je kälter, desto besser. Das waren früher alles Wasserballer, die sind nicht unbedingt dafür bekannt, zimperlich zu sein.

Alter Hut – Neu entdeckt

Das kalte Duschen ist definitiv eine meiner für mich persönlich nachhaltigsten Entdeckungen. Der Effekt überträgt sich auf vieles – keine Lust auf Training? Pffff!! Sich zu überwinden ein paar Hanteln zu bewegen, ist ein Scheißdreck dagegen, sich unter die eiskalte Dusche zu stellen. Der Verzicht auf die Zuckerschnecke da vor mir auf dem Teller? Eine Kleinigkeit. Mich um 21 Uhr nach dem zu Bett bringen der Kinder noch mal an den Rechner setzen und 3 Stunden am Blog zu schreiben? Ein Klacks. Ich trainiere meine Selbstdisziplin wie einen Muskel. Kalt. Duschen.

Buy buy Erkältung – Hallo neues Immunsystem

Ich war früher häufig erkältet. Die Leute spotteten schon über mich: „Ein Kerl wie`n Baum und ständig krank!“ Abgesehen davon, dass ich mit meinen 1,76m wohl eher ein gut gewachsener Strauch bin denn ein Baum, hatten die Leute recht – war ich tatsächlich nicht. Ich war ziemlich anfällig. Kaum ein Schnupfen ging an mir vorbei. Wir haben jetzt Januar und ich dusche kalt seit August letzten Jahres. Ich hatte einen leichten Infekt im Oktober, wegen dem ich aber nicht einmal mein Training unterbrechen musste, aber sonst bin ich bislang so gut durch den Winter gekommen, wie noch nie – definitiv. Außerdem friere ich weniger. Gut, so richtig kalt war es ja noch nicht, aber normalerweise stört mich alles unter 10 Grad. Am liebsten habe ich so lauschige 25. Ich liebe den Winter immer noch nicht aber dafür, dass es mich in 2017 schon ab dem späten August vor der kalten Jahreszeit gegruselt hat, ist es erstaunlich weniger unangenehm.

Motivation, Selbstdisziplin und Lebensglück

Ich habe wirklich einige Bücher zu den Themen Motivation, Selbstdisziplin und Lebensglück gelesen. Ich habe etliche Podcasts dazu gehört, war auf Seminaren, hab mich häufig mit anderen darüber unterhalten, habe offensichtlich glücklichen Menschen zugehört bei der Beantwortung meiner Frage nach ihrem Erfolgskonzept. Ich bin überzeugt davon, dass Selbststeuerung einer der Schlüssel zum Glück ist. Das mit dem „Sei lieb zu dir und nachgiebig und lass es dir gut gehen und gönn dir all deine Gelüste“ ist Bullshit. Die Konzerne möchten gern, dass du „lieb“ zu dir bist, damit du dir die ganze Scheiße kaufst, mit der sie reich werden.

Nur ein freier Mensch kann glücklich sein. Und Freiheit heißt nicht nur, außerhalb eines Gefängnisses zu leben. Ein freier Mensch hat seine Handlungen im Griff und trifft Entscheidungen. Manchmal sucht man das Gute überall und dabei ist es so nah.

Einfach nur kalt duschen.

Nun wünsche ich eine befreiende Selbstüberwindung und natürlich nic`x für ungut!

Sport frei, Coach Nico

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2018-02-09T20:07:47+00:00 0 Comments

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