Der schönste Beruf der Welt

Seit 15 Jahren arbeite ich als professioneller Fitnesstrainer. Ich habe mal überschlagen und errechnet, dass ich während dieser Zeit etwa 10.000 Stunden Personal Training und sicher mehrere Hundert Gruppentrainings angeleitet habe.

rückblick

Alles begann während meines Zivildienstes, als ich mit 19 Jahren meine Fitnesstrainer-B- Lizenz absolvierte. Da ich in diesem zarten Alter eigentlich nur meine Freundin und das Training im Kopf hatte, brauchte es einigermaßen Druck seitens meiner Mutter, mich dazu zu bewegen, ein Angebot des Bundesamtes für Zivildienst zu nutzen, welches diesen Fernlehrgang finanzierte. Es war absehbar, dass ich auf den Beginn meines Studiums zum Sport- und Geschichtslehrer einige Semester würde warten müsste. Also war meine liebe Mama der Meinung, es könne nicht schaden, wenn ich diese Wartezeit nutzen und schon einmal etwas Berufserfahrung sammeln würde.

Gerade eben die lästige Schule hinter mich gebracht, war ich wenig begeistert nun schon wieder pauken zu sollen. Als bekennendes Muttersöhnchen aber machte ich mich dran und gut ein halbes Jahr später hatte ich den Schein in der Tasche. Nach Beendigung des Zivildienstes erhielt ich, wie erwartet, die Absage der Universität und bewarb mich in – genau – einem Fitnessstudio in Berlin Lichtenberg. Prompt bekam ich den Job und hier begann mein Schicksalsweg.

auf dem aufsteigenden Ast

Ich machte mich gut und begann in weiteren Studios zu arbeiten, dazu hatte ich schon bald meine ersten Personal Training Klienten. Nach 3 Jahren Wartezeit wurde ich endlich für`s Studium zugelassen. Ich hatte so gut zu tun, dass mir schnell klar wurde, dass mein Engagement als Trainer stark mit dem Studium korrelieren würde. Schließlich ging ich bereits nach nur 3 Semestern nicht mehr in die Uni und was das Geschichtsstudium anging, hatte ich es nicht weiter gebracht als bis zur Einführungsveranstaltung. Ich war nun als Trainer auf dem aufsteigenden Ast, hatte mein eigenes kleines Business und mittlerweile auch die Liebe meines Lebens – nur eines hatte  ich nicht: Einen staatlich anerkannten Abschluss.

Eine ganze Weile blieb ich als Student immatrikuliert. Nicht etwa, weil ich so ermäßigt die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder billig in der Mensa essen durfte, sondern, weil ich weiterhin irgendwie daran festhielt mein Studium zu „gegebener Zeit“ erfolgreich beenden zu wollen. Ich war einfach so erzogen, dass „man“ einen Abschluss zu machen hatte. Auf jeder Familienfeier wurde ich gefragt, wann ich denn nun endlich einen „richtigen“ Beruf ergreifen würde. Vorschläge gab es reichlich – von Gas- / Wasserinstallateur der eher handwerklich geprägten Familie meines Vaters bis hin zum Physiotherapeuten, wenn es denn schon mit dem Lehramtsstudium nichts würde, als Idee meiner Mutter – ganz egal was, Hauptsache irgendeinen Zettel mit offiziellem Stempel drauf für die Bewerbungsmappe. Zu allem Überfluss begann mein jüngerer Bruder sein Studium zum Mathematik- und Geschichtslehrer und zog dieses bis zum 1 ten-Abschluss ohne wenn und aber durch. Es war nicht etwa so, dass meine Familie mich hätte versorgen müssen, weil ich als ewiger Student am Feiern und Ausschlafen war. Im Gegenteil, ich hatte immer gearbeitet. Ob als Hiwi auf dem Bau während meiner Abiturzeit, als Aushilfe an der Tankstelle und im Klamottenladen oder eben jetzt als Trainer und CrossFit Box Betreiber. Trotzdem empfand ich all die Jahre über immer diesen einen Makel – ich habe keinen Abschluss.

hat funktioniert

Ich bin jetzt fast 35 Jahre alt, habe 2 Kinder, besitze eine CrossFit Box, einen festen Stamm an Personal Training Klienten und komme gut zurecht. Trotzdem dämmert mir erst seit kurzer Zeit, dass ich meinen Weg gegangen bin. Es ist kein gewöhnlicher Weg, das steht fest, aber immerhin hat er funktioniert. Während der letzten Jahre kam ich immer wieder in die Verlegenheit, gegenüber anderen Menschen meinen Beruf angeben zu müssen. Erst kürzlich wieder wurde ich während eines Telefoninterviews durch das Bundesamt für Statistik danach gefragt und brach mir ziemlich einen ab, zu erklären, was ich tue.

coach mit leidenschaft

Als mir neulich meine Freundin, die ebenfalls Trainerin ist, berichtete, dass auch sie sich, immerhin als Diplomsportwissenschaftlerin, ebenfalls genieren würde, anderen zu erzählen, sie sei „Fitnesstrainerin“, da brach plötzlich eine Art widerspenstiger Appell aus mir heraus: „ Sag den Leuten doch einfach, dass Du Dich um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden kümmerst. Du hast das Wissen und die Erfahrung anderen zu zeigen, wie sie gesund und fit sein können. Du bist emphatisch, sozial ziemlich intelligent, hast außerdem einen geübten Blick für Biomechanik und verfügst über einen breiten Wissensschatz zur Trainingslehre und Methodik. Nicht zuletzt bist Du didaktisch dazu in der Lage auch dem unbegabtesten Körperklaus komplexe Bewegungen zu vermitteln und schaffst es außerdem Menschen dazu zu bringen ihre Ernährungsgewohnheiten nachhaltig zu verändern und sie zu motivieren, all dies regelmäßig zu tun. Das Ergebnis Deiner Arbeit hat wahrscheinlich schon so einige Zeitgenossen vor den üblichen Zivilisationskrankheiten bewahrt und nachweislich etliche von ebendiesen kuriert. Nebenbei bist Du einigermaßen bewandert in Sachen Psychologie und Kommunikationstechniken, zumindest schätzen Dich jede Menge Leute als aktiven Zuhörer und tanken Kraft in Deiner Gegenwart. Du übst Deinen Beruf mit Leidenschaft aus und hältst Dich selbst seit Jahren gegen alle Versuchungen in repräsentativer Form, zudem bildest Du Dich ständig fort.

Kurzum: Du bist Fitnesstrainer und Personal Coach – Und zwar mit Leidenschaft!

was bedeutet erfolgreich zu sein?

Wir leben in einer Zeit, in welcher vor allem Berufe imponieren, die mit einem hohen Einkommen assoziiert werden. Wenn wir vom Erfolg einer anderen Person sprechen, dann meint dies in aller Regel wirtschaftlichen Erfolg. Kaum einer beschreibt ehrfurchtsvoll z.B. die Arbeit eines Krankenpflegers oder einer Kindergärtnerin, obwohl es sicherlich einige Vertreter dieser Berufsgattungen gibt, die mit Herz und Seele in ihrem Job sind und deren Leistung obendrein höchst relevant für das Wohlergehen anderer ist. Seien wir doch mal ehrlich – in den allermeisten Fällen geht es doch um das Geld und nichts sonst. Wir bewundern besonders smarte Unternehmer, die die nächste App entwickeln, bei deren Nutzung wir uns exhibitionieren und man uns maßgeschneidert überflüssigen Blödsinn verkaufen kann. Manager die gigantische Immobiliendeals schnüren und diese dann mit flaschenweise Dom Perignon begießen. Ganze Fernsehsendungen zeigen die Anwesen super reicher Hedgefondmanager aus der Hubschrauber-Perspektive und Millionen sitzen vor der Glotze und ziehen sich fasziniert und neidisch diesen Scheiß rein.

Nun, dass ich mir bescheuert vorkomme, anderen zu sagen, dass ich Fitnesstrainer bin ist ja mein ganz eigenes Problem. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, dass ich dies eines Tages stolz und mit Selbstverständnis tun werde. Es ist ein toller Beruf. Dankbar, abwechslungsreich, einträglich und mit Passion. Und diese Arbeit bewirkt Gutes, ausschließlich Gutes, ohne irgendeine Einschränkung. Vielleicht der schönste Beruf der Welt?!

Ich wünsche Euch Freude in was auch immer ihr so tut! Mit einem augenzwinkernden „Nic`x für ungut“ verabschiede ich mich bis in zwei Wochen,

Sport frei, Coach Nico.

Du interessierst dich für den Beruf des Fitnesstrainers / der Fitnesstrainerin? Oder hast du deine Passion schon professionalisiert und brauchst Support beim Ausbau deines Business? Schreibe uns an info@sportaholix.club oder registriere dich gleich hier auf sportaholix.

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2018-03-25T20:22:58+00:00 1 Comment

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