pink karma – Follow me! Wie und warum Vermarktung via Social Media funktioniert

Mal ehrlich, Facebook ist tot. Kaum hat mein Daumen das App-Zeichen auf der iPhone-Oberfläche gefunden, bereue ich es direkt wieder. Mittlerweile gleicht „Gesichtsbuch“ einer Dauerwerbesendung. Bei all den Vorschlägen, was ich denn unbedingt SOFORT, JETZT und BITTE SCHÖN DALLI, DALLI kaufen möge, komme ich mir vor wie bei QVC. Beim sinnlosen Daddeln steigt stets ein subtiler Würgereiz gepaart mit Kopfschütteln und latentem Kopfschmerz in mir auf. Schade eigentlich. Fing doch damals ganz cool an die Sache. Ich möchte jetzt gar nicht erst von studiVZ oder Myspace (Gibt’s das eigentlich noch?) beginnen, aber irgendwie waren die Social Communities früher aufregender. Oder ich bin einfach älter und alles ist immer noch genauso knallermäßig …?! Whatever!

Klar ist: Wer noch bei Facebook herumschleicht, ist out. Und zwar sowas von. Nun ist Instagram auch schon einige Zeit am Markt und bestimmt auch nicht mehr so megafresh, aber irgendwie doch ein bisschen wie Facebook vor ein paar Jahren, also bevor es zum Shoppingsender avancierte. Auch hier gibt es personalisierte Werbeanzeigen, die einem schon ganz schön auf den Zeiger gehen können, aber das Maß ist NOCH erträglich. Fragt sich, wie lange dem so bleibt. Nun, Fakt ist: wer sich vermarkten will, muss dies über Instagram und Co. tun. Egal, ob du ein Yogastarlet, Freizeitpumper oder Foodblogger bist – ohne Instagram kennt dich einfach niemand. Kein Schwein weiß, was du da so treibst in deinem Leben und das ist natürlich ungünstig, falls du Produkte oder Dienstleitungen hast, die an die Frau oder den Mann zu bringen sind. Der folgende Beitrag widmet sich den goldenen Regeln für ein glorreiches Instagram-Dasein. Befolge sie und werde eine „social rich bitch“. Tue es nicht und – naja …

1. Sex sells

Unter uns, ich habe noch nie meine Yogapraxis im Bikini gemacht! Ich würde nicht mal im Traum auf die Idee kommen, dies zu tun! Ich wäre ja dann nur damit beschäftigt, meine Möpse ihrer neugewonnenen Freiheit zu berauben oder den Schlüppi wieder zurechtzurücken. Also warum genau gibt es dann solche Pics zu Tausenden? Ganz einfach! Der Mensch ist nun mal ein Optik-fixierter Typ. Also zumindest die meisten unter uns und die Fitnessjunkies sowieso zu 100 Prozent.

Ich nehme mich da nicht raus. Du willst möglichst viele Follower in möglichst geringer Zeit? Tja, dann mach dich schon mal frei und ab dafür! Instagram ist voll mit Posts, bei denen ich immer ins Grübeln komme, was jetzt im Vordergrund steht – die Yogapose oder der sich lasziv windende Körper. Je mehr nackte und bitte schön makellose Haut zu sehen ist, umso flinker hast du die 1.000 Follower erreicht. Immerhin sieht man nackt weniger Speckröllchen und auch der Rest kann aussehen wie ein aufgeplatztes Sofakissen. Sobald Nacktheit ins Spiel kommt, ist der Rest auf dem Foto total wurscht.

2. Must-haves

Du hast Kinder? Super! Sie müssen auf jeden Fall mit aufs Foto. Wenn du dich nicht nackend der restlichen Welt präsentieren magst, dann schleife unbedingt deine Kids mit aufs Foto. Hat nahezu den gleichen Erfolg wie die „Praline-Fotos“ (Anmerkung der Autorin: Früher gab’s die „Praline“ anstelle des „Playboys“ am Zeitungskiosk, weiß wahrscheinlich keiner mehr.). Wichtig ist, die Kurzen müssen megasweet sein. Bitte keine dicken, hässlichen oder pubertierenden Kids. Sowas möchte man nicht sehen. Kleinkinder mit Lockenköpfen und im gleichen Outfit wie die Yoga-Muddi – das geht super!

Entweder versuchen die Racker mitzuturnen oder sie spoilern einfach nur gaaaaaaanz zufällig das Bild. Beides funktioniert astrein! Du hast (noch) keine Kiddies? Leih‘ dir welche von Freunden unter dem Vorwand des gut gemeinten Babysittens. Jede runtergerockte und todmüde Mutter wird dir gern das Kind überhelfen, um ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Wenn du’s mit Kids nicht so hast, brauchst du unbedingt Viehcher mit auf dem Bild. Hunde – möglichst im Welpenalter – stehen dabei ganz oben auf der Niedlichkeitsskala, gefolgt von Katzen und anderen haarigen Erdbewohnern. Das Schlusslicht bilden Fische. Ein Aquarium im Hintergrund holt jetzt wirklich niemanden hinterm MacBook hervor. Dann lieber ohne.

3. No-Gos

Mein Wohnzimmer ist der Yogaraum für meine Praxis. Zwischen Couchtisch und Metallspinden rolle ich täglich meine Matte aus. Nun sieht dieses Zimmer natürlich nicht immer wie geleckt aus. Keiner möchte voll beladene Wäscheständer, vertrocknete Grünpflanzen oder Berge von Dreckwäsche im Post sehen. Diese Dinge musst du vom Foto verbannen. Ich finde auch, dass die laufende Glotze nichts auf Instagram zu suchen hat. Ok, nicht jeder möchte nun ganz ohne Fernseher leben, so wie ich es tue, aber dennoch zerstört es irgendwie das Bild vom „spiritual seeker“. Wenn schon Posts aus den eigenen vier Wänden, dann bitte schön idealisiert. Wenn das nicht funktioniert, dann beherzige Regel Nummer vier.

https://www.instagram.com/p/Bc1Zd8nhVC5/?tagged=yogaathome

4. Location

Je abgefahrener, umso besser. Handstand an der Fjordklippe kurz vorm Abgrund? Das Bein hinter den Kopf werfen bei minus zehn Grad im Tiefschnee – mit Snowboots, versteht sich? Oder die Tänzerpose im Kornfeld? Tipptopp! Genauso fängst du dir Follower. Wenn bei den realitätsfernen Wohnzimmerpics kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist oder dein Zuhause jetzt nicht unbedingt fotogen ist, dann brauchst du möglichst ungewöhnliche Orte als Background für deine Posts. Wer hat nicht schon mal daran gedacht, seine Yogapraxis mitten auf den Fußgängerüberweg in Tokio zur Rushhour zu verlegen? Klingt doch verlockend! Also für ein mickriges Foto wird das doch wohl drin sein oder etwa nicht?

Passend zum Thema kommt mir gerade eine kleine Story in den Sinn. Vor zwei Jahren fuhren wir mit dem Van die Atlantikküste Frankreichs entlang. Ich hatte mir im Kopf schon ausgemalt, wie toll es wäre, meine Yogi-Turnerei täglich direkt morgens am Strand zu machen. Was das bloß für tolle Fotos wären? Mann, die könnte ich aber mal so richtig in den sozialen Medien verwursten. Ich habe genau einmal und dann nie wieder direkt im Sand geyogt. Nach etwa 20 Minuten hatte ich die Fresse voll – und zwar mit Sand. Ab Tag zwei habe ich dann lieber die abseits gelegene alte Holzterrasse einer geschlossenen Surfschule okkupiert. Der Ausblick war weniger atemberaubend, denn sie lag versteckt weiter oben in den Dünen, aber dafür hatte ich nicht das Gefühl, auf einer schwammigen Riesenhüpfburg üben zu müssen. Das gleiche gilt auch für Yoga auf Rasen, wobei hier noch die unzähligen zu rettenden Ameisen hinzukommen, die man bei jedem Vinyasa möglichst tierfreundlich wieder dazu bringen muss, ihre Straße um die Matte herum zu führen.

5. Kein Handstand, keine Follower

Mittlerweile scheint bei manchen Yogis die Praxis nur noch aus Handständen zu bestehen. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen. Im Ashtanga Vinyasa Yoga kommt der wirkliche Handstand eigentlich erst zum Ende der zweiten Serie, wo man beginnt „Tic Tocs“ zu üben. Das sind Handstandüberschläge in Slow Motion vor und wieder zurück. Das geschieht in der Regel frühestens nach vier bis fünf Jahren täglicher Quälerei auf der Matte für mindestens anderthalb Stunden und das sechsmal die Woche. Warum also dieser Hype um „Adho Mukha Vrksasana“ – so heißt der Handstand bei den Yogis auf Sanskrit? Sei es drum. Du willst Ruhm und Ehre auf Instagram und beides direkt schnell? Du kannst einen soliden Handstand und dann vielleicht auch noch Variationen davon? Dann musst du diese posten! Du kannst (noch) keinen Handstand? Dann übe gefälligst gnadenlos und springe zu Regel Nummer sechs.

https://www.instagram.com/p/Bc1Y9cFAqM7/?tagged=yogaathome

5. Wild things

Für alle, die keinen Handstand können, kommt nun die Rettung in Form von Krähe, Glühwürmchen und anderem Getier. Egal, welche Asana du postest – sie muss außergewöhnlich sein. Du bist gut in Vorbeugen? Dann poste Splits. Du hast eine gute Hüftmobilität? Dann wirf dir die Beine hinter den Kopf. Wenigstens die Krähe oder ein Kopfstand werden ja wohl drin sein. Wenn das alles nicht der Fall ist, dann musst du dich doch ausziehen, was soll’s. Vielleicht kannst du vorher noch ein paar Sitzungen bei deinem Stammtättowierer wahrnehmen, damit die Pics wenigstens irgendwie zu Coolness und Flair kommen.

Ok, du hast die goldenen Regeln verinnerlicht und bist bereit für alle Schandtaten, um dein schnödes Instagram-Leben zu pimpen? Dann vergiss den ganzen Schmus, den du eben gelesen hast. Sei ein guter Yogi mit einem kleinen Ego und übe einfach täglich auf der Matte. Auch wenn’s keiner sieht, es zu dunkel ist frühmorgens, um Fotos zu knipsen, oder du ausnahmsweise mal im Schlafanzug turnst und das nun wirklich keiner sehen muss. Das ist das echte Yogidasein, der Rest ist nur eine weichgespülte Attrappe.

… ach so! Und vergiss bitte nicht, mir auf Instagram zu folgen! ;))

Das Buch von Michaella Weller “Cross-Yoga für Sportler” gibt es hier!

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2018-04-11T11:43:44+00:00 0 Comments

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