nicx für ungut – ZUSAMMEN erfolgreich

Aktuell finden die CrossFit Open statt. Wie in jedem Jahr müssen über einen Zeitraum von 5 Wochen 5 Workouts absolviert werden und die Scores werden anschließend online gestellt. Mittlerweile nehmen ca. 250.000 Menschen weltweit an den “Open” teil. Eine kleine Elite qualifiziert sich dann hierüber zur Teilnahme an den sogenannten „Regionals“. Bei diesen regionalen Qualifikationswettkämpfen wird die athletische Creme de la Creme ausgesiebt, welche dann in den „Games“, der „CrossFit Weltmeisterschaft“, aufeinander trifft, um den „Fittest Man on Earth“ bzw. die „Fittest Woman on Earth“ zu küren.

Der Sport CrossFit hat sich während der letzten Jahre extrem professionalisiert. Diejenigen, die bei den Games antreten, sind mittlerweile fast durchweg „Berufssportler“ und machen quasi den ganzen Tag nichts anderes, als trainieren. Es winken hohe Preisgelder und Sponsorenverträge.

So ein „Freizeitathlet“ wie ich hat keine Chance auch nur die Regionals zu erreichen. Trotzdem werden die Open weltweit zelebriert und ich gebe zu, dass mir dieser Hype während der letzten Jahre immer etwas überzogen vorkam. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade ein „Partyhengst“ bin. Aufgedrehte Gruppendynamik ist mir grundsätzlich suspekt. Wohl deshalb interpretierte ich die allgemeine Aufregung rund um die Open als überzogenes Getue und rollte innerlich mit den Augen ob der Social Media Ausuferungen und des ach-so-wichtigen Geschwätz´ unter CrossFittern rund um dieses Thema.

CrossFit – die Welle

Ich schätze, es gab mir einerseits irgendein Gefühl von Überlegenheit, wenn ich mich vom allgemeinen Trubel distanzieren konnte, so nach dem Motto „Kinders, ihr habt wohl alle nichts zu tun“. Andererseits kann ich mich gut an das Büchlein „Die Welle“ erinnern und werde sofort skeptisch, wenn Menschen anfangen demonstrativ ein Verbundenheitsgefühl zu zelebrieren. Ähnlich wie in diesem Buch bekommt nach meiner Befürchtung ein solches Verhalten rasch einen geradezu faschistischen Charakter: „Wir“ CrossFitter haben den Drang uns klar zu positionieren und dazu gehört dann manchmal auch die Abgrenzung gegenüber anderen. Sprüche wie „your workout is my warm up“ verstärken diesen Eindruck, wird doch hier jeder „Nicht-CrossFitter“ herabgewürdigt. Das einzig wahre Training haben CrossFitter für sich gepachtet und „die Anderen“ in ihren „Globo-Gyms“ (auch so ein verächtlich gebrauchter Begriff der CrossFit Welt) sollen mal ruhig “weiter Bankdrücken an der Maschine machen… Pfffff! Weicheier!”

Nun betreibe ich ja eine Box, SPREE CrossFit in Berlin, und erkenne, dass Gruppendynamik durchaus geschäftsfördernd ist. Abgesehen davon, dass sie die Leute antreibt in die Box zu kommen, ist Gruppendynamik eben auch etwas, das den Einzelnen motiviert und im Training hält. CrossFit Boxen halten sich nicht durch Karteileichen, wie sonst durchaus üblich in der Fitness Branche.  Ich muss also ganz klar anerkennen, dass diese Dynamik ihre positiven Aspekte hat. Die “Open” stellen den jährlichen gruppendynamischen Höhepunkt dar und viele Boxen wissen dies gekonnt zu nutzen.

Für mich war es tatsächlich ein innerer Prozess und es hat einige Jahre gebraucht, bis ich mich nun allmählich ebenfalls der allgemeinen Begeisterung hingeben kann.

Motivation im Kampf gegen die Faulheit

In den nunmehr 15 Jahren die ich als Fitness Professionell in der Branche unterwegs bin, stoße ich immer wieder auf das Thema Motivation. Der Mensch neigt von Natur aus zur Trägheit. In vergangenen Zeiten waren wir gezwungen  mit unseren Energiekapazitäten zu haushalten. Man wusste nie, wann es wieder etwas zu futtern geben würde und keiner wäre auf die Idee gekommen, Baumstämme zu heben, um damit Muskelwachstum zu stimulieren und kostbare Energie zu verschwenden. Diese Veranlagung zur Faulheit ist immer noch aktiv im Menschengeschlecht und bis auf wenige Menschen, die mit Hummeln im Arsch geboren und deshalb ständig in Bewegung sind, nutzen die meisten von uns jede Gelegenheit zum Lümmeln und zur Vermeidung von Anstrengung. Die bekannten Folgen dieser Bewegungsarmut, gepaart mit einem permanenten Angebot an Nahrungsüberschuss, zwingen nun den modernen Sapiens sich „künstlich“ zu betätigen. Den Arsch von der Couch zu bekommen ist schlussendlich ein ständiger Kampf der genetischen Anlage gegen die Vernunft. Wir müssen uns bewegen um nicht krank zu werden. Sport zu treiben ist für die meisten von uns nicht länger nur eine Option sondern eine verdammte Notwendigkeit. Wie nun also dieses Vieh von Schweinehund dazu bekommen, dass es spurt und uns nicht länger davon abhält, wenigstens ein Minimum an körperlicher Ertüchtigung auf die Reihe zu kriegen?

Eine sehr wirksame Methode ist da eben die Gruppendynamik. Etliche aktuell erfolgreiche Fitnesskonzepte beruhen genau darauf: Training in Gruppen… und möglichst intensiv. Intensität ist ein weiteres Thema – gemeinsam durch „die Hölle“ zu gehen verbindet, das hat schon in den Schützengräben des ersten Weltkriegs funktioniert. Kriegsveteranen berichten – neben all der Greul des Krieges – von tiefer Verbindung und Kameradschaft. Ein ähnlicher Mechanismus wirkt, wenn nach einem harten Workout und einigen Minuten nach Luft japsend auf dem Rücken liegend, die Teilnehmer einer CrossFit Class sich aufrappeln und miteinander abschlagen, sozusagen den gemeinsamen Sieg über das Workout feiern. Laut einer Studie des ACSM`s Health & Fitness Journal mit über 100.000 Experten aus der Fitness- und Gesundheitsbranche weltweit liegen Gruppenworkouts in angeleiteten Kursen auf Platz 2 der Top-20-Fitnesstrends für 2018. Auf dem ersten Platz findet sich das sogenannte HIIT (High Intensity Intervall Training) – CrossFit vereint diese Trends seit Jahren routinemäßig in den WODs.

alle für ein Ziel – die Qualifikation

Die CrossFit Open bündeln all dies: Die gemeinschaftliche Aufregung darüber, wie die einzelnen Workouts aussehen werden. Wochenlang im Voraus wird spekuliert, gespannt die Veröffentlichung des ersten Workouts erwartet. Wenn es dann soweit ist, werden augenblicklich Strategien besprochen, es erscheinen etliche Videos im Netz mit Tipps zu Technik und  Timing und allem, was man so diskutieren kann. Erste Ergebnisse werden veröffentlicht, das Workout geht einmal rund um die Welt und wird schließlich feierlich auch in deiner Box absolviert. Zum ersten Mal nehme auch ich in diesem Jahr intensiv Anteil am Hype. Auch, wenn ich direkt vergessen habe, meinen ersten Score rechtzeitig online einzutragen 😉 Ich beobachte mit Begeisterung, wie effektiv die “Open” viele unserer Mitglieder mobilisieren und auch jene miteinander verbindet, die zuvor noch wenig Kontakt zueinander hatten. Ich beginne zu verstehen und zu akzeptieren, dass die Gruppendynamik äußerst wirksam hinsichtlich einer der größten Herausforderungen für den „Fitnessneuling“ ist – der Motivation.

Coach Sebastian Werner – Quali 17.3 in 2017

Mitglieder Hannah & Uğur – Quali 18.2 in 2018

Nach wie vor kann ich „Elitegetue“ nicht ausstehen, aber ich erkenne nun, dass das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat. Ich bin schon in so vielen Boxen überall auf der Welt herzlich willkommen geheißen worden und auch in meiner eigenen Box herrscht eine sehr aufgeschlossene Willkommenskultur gegenüber Jedermann. Sicher, es gibt auch im CrossFit schwarze Schafe. Leute die meinen, ihren Identitätsbezug untermauern zu müssen, indem sie anderen gegenüber arrogant und scheinbar überlegen auftreten, aber die gibt es wohl überall. Unterm Strich hat CrossFit wohl mindestens einige Hunderttausend Menschen erfolgreich in Bewegung gebracht und das ist eine durchweg gute Sache. Wohl noch nie in der Geschichte meiner Branche hat ein Trend so nachhaltig das Leben so vieler Menschen positiv verändert. CrossFit hat im Grunde nichts neu erfunden, nahezu alle Übungen waren auch vorher schon bekannt. Maßgeblich für den Erfolg dieses jungen Sports ist vielmehr die Idee des Trainings in einer Community und mit hohen Intensitäten. Auch wenn man inhaltlich wie fachlich über einiges streiten kann, so muss doch anerkannt werden, dass diese Kombination extrem erfolgreich ihren Zweck erfüllt.

In diesem Sinne wünsche ich allen CrossFittern erfolgreiche und inspirierende Open 2018 und natürlich nic`x für ungut und Sport frei!

Coach Nico

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2018-03-08T17:04:26+00:00 1 Comment

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