Bild: Me and my Mat ; André Siodla

Pink Karma – I got 99 problems …

Irgendwie denken alle Mitmenschen, als Yogi hätte man null Probleme, dabei fängt das Dilemma damit eigentlich erst an! Klingt komisch? Na dann ist dieser Artikel für dich genau richtig.

Alter, chill‘ ma deine Base!

Keine Ahnung, wie oft ich schon den Satz Also, du als Yogi bist doch bestimmt immer tiefenentspannt! gehört habe. Suche dir eine beliebige Zahl aus und multipliziere sie mit Tausend. Mindestens so oft. Aber mal ganz ehrlich: einen Scheiß muss ich! Ja, ich bin ein Yogi! Ja, ich turne jeden Tag stundenlang auf der Matte rum! Ja, ich vertrete das Prinzip von Gewaltlosigkeit und Co. Das heißt aber nicht, dass ich in jeder Situation erst mal tief durch die ökologische Bio-Baumwollhose atme, bevor ich reagiere.

Wenn im Büro mal wieder die Hölle los ist und glaube mir, ich meine die Hölle, geht mir auch mal die Hutschnur hoch. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich wirklich, aber so wirklich unentspannt war. Es war der klassische Arschlochmittwoch und den ganzen Tag hatte ich irgendwie nur die nervigsten Kunden am Telefon. Zum Feierabend hastete ich dann noch leicht nachgrummelnd zu meinem Auto. Schon latent fluchend fuhr ich vom Parkplatz als eine – vermutlich völlig gechillte und mir damit meilenweit überlegene – Frau mit ihrem Kleinwagen den Großteil der Straße sperrte, so dass selbst ich mit meinem Smartie nicht daran vorbeikam. Es gab zwei Optionen: sie hätte weiter rechts zum Straßenrand fahren können und ich wäre vorbeigekommen oder ich hätte einfach warten müssen. Wie lange wäre dabei absolut unklar gewesen. Ich biss also schon seit diversen Minuten in mein Lenkrad, bevor ich dann doch ausstieg und sie – ja, ich gestehe – recht unsanft zuquakte. Hinterher ging es mir natürlich nicht besser, ich schüttelte noch dutzende Male imaginär den Kopf auf dem Weg nach Hause über meine total bescheuerte Reaktion. In der Yoga-Philosophie wird das Ganze recht schön beschrieben: du bist nicht das Wahrgenommene, sondern die Reaktion darauf. Punkt. Tja, im Grunde ganz easy, aber dennoch total schwierig zu beherzigen. Eine gute Sache hatte diese etwas unschöne Begebenheit damals in der Parkplatzausfahrt dennoch: ich mache mir seitdem öfter mal eine Platte, ob die Reaktion, die ich direkt gedenke loszuschmettern, nicht einfach nur durch mich emotional eingefärbt statt sachlich-neutral und damit yogilike-wertfrei und einhergehend damit auch vertretbar ist. Naja, meistens jedenfalls …

Mattenparty

Irgendwann bin ich die Verpflichtung eingegangen, täglich auf der Matte rumzuturnen. Keine Ahnung, was mich dazu trieb. Es muss so etwa vor fünf Jahren gewesen sein, als ich entschied, mich sechs Tage die Woche mit Ashtanga Vinyasa Yoga zu knechten. Komischerweise wurde der Zeitpunkt meiner Praxis nach und nach immer weiter in die frühen Morgenstunden verlegt. Ok, ich habe immer lieber vormittags trainiert, aber sechs Uhr ist doch eine andere Hausnummer als ausgeschlafen, koffeiniert und ansprechbar um elf. Mittlerweile beginnen mindestens achtzig Prozent meiner Einheiten vor dem Sonnenaufgang. Auch am Wochenende. Auch im Urlaub. Auch an Weihnachten und Neujahr so wie eben erst neulich. Ich ertappte mich letztens dabei, freiwillig um vier Uhr dreißig aufzustehen, nur um meine Praxis noch vor den prallgefüllten Seminartag zu packen und war zum einen mächtig stolz auf mich und zum anderen einfach nur schockiert über meine Disziplin. Vor ein paar Jahren wäre das noch schier undenkbar gewesen.

Nun ist die Frage: wenn ich um fünf Uhr aufstehe, wann gehe ich dann ins Bett? Ich bin absolut ungenießbar, wenn ich nicht mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf hatte. Vielleicht liegt es auch am Ashtanga Yoga, das nicht umsonst als anstrengendster Yoga-Stil gilt, who knows?! Zurück zum Thema, so gegen halb neun Uhr abends bekomme ich Knöpfchenaugen und spätestens eine Stunde danach schlürfe ich gen Schlafzimmer. Nicht immer zur Freude meiner besseren Hälfte, der sich im Zugzwang fühlt, mitzuschlürfen. Muss er nicht. Ich zwinge ihn nicht dazu. Macht er freiwillig. Aber dennoch gibt’s manchmal ein paar Spitzen. Meine Yoga-Praxis ist (meistens) ganz oben auf der Prioritätenliste und damit fallen Kinobesuche (außer Kindervorstellungen), Clubnächte und alle anderen Aktivitäten nach Einbruch der Dunkelheit eben aus. Klingt traurig, ist es aber gar nicht. Meine Yoga-Praxis gibt mir tausendfach mehr zurück als jeder Berghain-Besuch und Leute – ich war sehr gern und sehr oft im Berghain! Auf Alkohol zu verzichten, war für mich nie ein Problem. Damit hatte ich immerhin eine Sorge weniger sonntags früh auf der Matte. Mittlerweile zwingt mich mein Männe, am Wochenende früh aufzustehen. Er nutzt mein Pflichtbewusstsein schamlos aus, um seinen Kadaver mit in die Vertikale zu bringen und sich zeitgleich ins Fitnessstudio zu schleppen. Dafür – aber nicht nur dafür – liebe ich ihn.

Prinzessin Leia

Mit einer regelmäßigen Yoga-Praxis ergeben sich zahlreiche Probleme kleinerer und größerer Natur. Welche Matte nehm‘ ich heute? Welche Yoga-Pants zieh‘ ich heute an, will ich mir doch beide Beine hinter den Kopp klemmen und das geht mit der „XY-Leggings“ (Setzen Sie beliebig ein!) überhaupt gar nicht? Warum habe ich gestern nur die Familypizza mit extra Käserand essen müssen, wo ich doch ganz genau wusste, dass mir die gar nicht gut bekommt? Und so weiter und so fort … Das wahrscheinlich größte Problem ist die richtige Wahl der Friese! Ey, echt. Ungelogen. Die vermutlich praktikabelste Frisur ist ein Kurzhaarschnitt. Am besten direkt die Haarschneidemaschine rauskramen und einmal kurzen Prozess à la Sinead O’Connor, falls die überhaupt noch jemand da draußen kennt. Muss man auch nie wieder Haarewaschen, eine wie ich finde eh äußerst anstrengende und nutzlose Zeitverschwendung. Nun, kurze Haare sind leider verboten. Mit der Heirat muss ich irgendwie zugestimmt haben, meine langen und gewellten Haare zu behalten bis sie mir vom Kopp fallen. Mir wird direkt mit Scheidung gedroht, wenn ich mal wieder den Gedanken äußere, Rapunzel mit der Schermaschine zu ermorden. Also muss ich sie behalten und wenigstens für neunzig Minuten pro Tag bändigen, um auf der Matte rumzuspringen. Gar nicht so einfach. Es gibt da mehrere Experimente, die ich in Folge dessen an mir selbst durchführte. Pferdeschwanz geht schon mal nicht. Meine Haare sind so lang, dass mir dieser ständig im Gesicht rumwedelt und das ist einfach nur mega-nervig. Ein oder zwei Zöpfe fallen auch durch das Raster, denn damit peitscht du dich in allen Übergängen selbst. Nach der Praxis siehst du dann aus, als hättest du ein SM-Studio besucht. Naja, so ganz unwahr ist das ja nicht, denn Ashtanga Yoga ist echt auch Quälerei. Ok, also keine Zöpfe. Wie wäre es dann mit dem klassischen Knuddel auf dem Kopp? An sich keine schlechte Idee, aber bei allen Asanas, in denen du den Scheitel auf der Matte ablegst, ist der Yoga-Bun dahin. Bei anderthalb Stunden Praxis bist du dann etwa dreiundzwanzig Komma fünf Mal damit beschäftigt, dein Vogelnest wieder herzustellen. Die einzig mögliche, aber leider mehr als bekloppte Friese sind zwei Schnecken an den Seiten à la Prinzessin Leia! Damit bist du auf jeden Fall nicht mehr vorzeigbar für die Außenwelt, aber auf der Matte funktioniert sie als einziges Styling wunderbar. Kleiner Tipp noch für die Yoga-Newbies: keine Haarklemmen, -spangen oder –reifen als hilfreich erachten. Warum nicht? Probier’s aus und du nimmst diese fiesen kleinen Dinger nie wieder, glaube mir.

Ich könnte diese Liste noch endlos fortführen und vielleicht mache ich das auch in einem der nächsten Beiträge. Ich denke mal darüber nach. Eure Vorschläge sind natürlich herzlich willkommen und werden mit in die Bestenliste aufgenommen – versprochen!

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2019-01-06T21:19:08+00:00 Kommentare deaktiviert für pink karma – I got 99 problems