Wie Yoga mein Leben ruinierte

Ich gebe zu, der Titel für meinen ersten Blogbeitrag ist voll beladen mit Ironie. Wer würde schon ernsthaft behaupten wollen, dass er als Yogi ein missratenes Dasein führt? Eben! Keiner. So ohne ein Fünkchen Wahrheit kommt die Aussage aber dennoch nicht daher.

Früher nahm ich alle Aussagen wie „Yoga schenkte mir ein völlig neues Leben“ oder „Mit Yoga wurde ich ein komplett neuer Mensch“ für nicht wirklich voll. Mir war das zu „spiri“ und abgehoben. Fakt ist, sobald du dich für den Yoga-Weg entscheidest, geschehen Dinge – meist häppchenweise subtil anschleichend – die dir früher entweder nicht bewusst oder unwichtig oder beides zugleich waren. Es folgt eine kleine Auswahl an Veränderungen, die ich an mir beobachten konnte. Diese sind meine ganz eigenen Erfahrungen und müssen somit nicht unbedingt deine widerspiegeln. Gottseidank sind wir alle individuelle Persönlichkeiten und keine graue Masse. Aber vielleicht erkennst du dich in der einen oder anderen Geschichte wieder. Hier nun meine Top Five der wundersamsten Veränderungen.

Der frühe Yoga-Vogel

Ich war nie ein Frühsportler. Ich erinnere mich noch an grausame „nullte Stunden“– also ab direkt sieben Uhr – im nasskalten Wasserbecken zum Schwimmunterricht. Die Sportlerlaune kam eigentlich erst zum späten Nachmittag zum Vorschein. In den letzten Jahren probierte ich mich beim CrossFit an den „Rote-Augen-WODs“ um halb acht, aber so richtig war mir nicht nach schweren Gewichten und intensiven Kraftausdauersessions in aller Herrgottsfrühe. Mittlerweile stehe ich unter der Woche um halb sechs auf, um spätestens eine Stunde später meinen müden Kadaver auf die Matte zu schleifen.

Warum ist dem nur so? Nun, die Asana-Praxis – also die reine Yoga-Turnerei – geht leichter auf leerem Magen vonstatten. Ab und an muss ich auch mal abends ran an die Mattenarbeit und stelle immer wieder fest, dass man zwar beweglicher als frühmorgens ist (man hat sich ja bereits den gesamten Tag bewegt), aber die „Weichteilhemmung“ in der Körpermitte ist schon als sehr unvorteilhaft für so manche Positionen einzustufen. Der zweite Grund ist, dass ich Ashtanga Vinyasa Yoga für mich als Yoga-Weg eingeschlagen habe – den wahrscheinlich körperlich herausforderndsten aller Yoga-Stile. Ich bin einfach nur heilfroh, wenn ich nach fast zwei Stunden Praxis schweißgebadet von der Matte krauche und weiß, schlimmer kann es an den restlichen 22 Stunden des Tages eigentlich nicht mehr werden.

Yoga-Pants for President

In meinem Schrank tummeln sich insgesamt zwei bereits über zehn Jahre alte Jeans zusammen mit geschätzten 2.683,5 Leggings verschiedenster Preiskategorien, Materialien, Muster und Hersteller. Mein gesamtes Leben spielt sich nur noch in Leggings ab. Wenn so manch einer morgens überlegt, welches Paar Schuhe aus der immensen Auswahl heute wohl am ehesten zum Gemütszustand passen würde, so geht es mir beim Blick in die Leggings-Abteilung meines Kleiderschranks.

Dabei gibt es nie die optimalen Yoga-Pants für die Praxis auf der Matte. Die eine wird am Gesäß durchsichtig in den Vorbeugen – dafür ist sie optimal rutschfest in den Armbalancen, denn hier sollten die Knie lieber nicht von den Oberarmen rutschen. Die andere ist unbrauchbar, weil generell zu warm – dafür aber genau richtig, wenn es darum geht, ganz gemütlich in den Spagat zu sinken. Ein Dilemma. Am liebsten würde man alle fünf Minuten die Buxe wechseln. Ähnlich ist das mit der Yoga-„Frise“ während der Praxis, aber das ist ein anderes problematisches Thema …

Yogis unterwegs

Egal, was man vorhat – die Yoga-Matte muss mit! Eine Woche Trekking-Urlaub mit Campingatmosphäre? Kurzbesuch bei Oma im Spreewald? Langes Wochenende an der Ostsee? Die Turnunterlage ist mit dabei! Man weiß ja nie, ob sich nicht die eine oder andere Gelegenheit bietet, den „yogischen Gebetsteppich“ auszurollen. Gut, dass man mittlerweile eine Reisematte besitzt, die statt vier nur noch anderthalb Kilogramm auf die Waage bringt. Zudem ist der stete Begleiter salonfähig geworden. Es scheint, die Yoga-Matte quer über dem Rücken getragen gehört mit zum guten Berliner Hipster-Ton. Vermutlich werden die geliebten Accessoires in der Samstagnacht mit ins Berghain geschleppt und kurzerhand zusammen mit dem 90er-Jahre-Seidenblouson an der Garderobe abgegeben.

Love your feet

Du arbeitest täglich an der perfekten Gewichtsverteilung im Dreieck, Baum und Co.? Und steckst danach deine gerade so liebevoll aktivierten Fußmuskeln in enge Chucks oder spitze Pumps? No way! Nach einem gewissen Zeitraum regelmäßiger Yoga-Praxis gleichen deine Füße eher denen eines Geckos mit kilometerbreiten Zehenzwischenräumen und das ist auch gut so! Am liebsten würde ich 24/7 barfuß durchs Leben gehen, wenn es nur möglich wäre.

Meine beiden unteren Beinenden sind mittlerweile mehr als wählerisch geworden, was das „Drumherum“angeht. Flach, möglichst breit und ungedämpft sind die maßgebenden Attribute. So investiere ich eben mein halbes Bankkonto in Barfußschuhe. Als ich letztens meine Haxen in enge Lederstiefel mit nicht mal vier Zentimetern Absatz steckte, war nach ungefähr acht Minuten der Spaß vorbei und meine Füße gingen in den Streik. Die Meuterei hat ihr Ziel erreicht und jetzt gibt es noch „unten ohne“ oder eben geschmacklich fragwürdig, aber tragbar.

Der Yogi ist, was er isst

An Ernährungsweisen habe ich wahrscheinlich alles ausprobiert, was es auf dem Markt gab und gibt. Je nach Priorität im Training gab es mal Low Carb, mal Paleo und mal Fitnessshakes sowie Pülverchen. Momentan ernähre ich mich zu vielleicht 80 Prozent vegan und 20 Prozent vegetarisch. Die Yoga-Praxis ist da nicht ganz unschuldig. Fleisch und Fisch gilt es generell zu meiden. Die Ernährung des Yogis sollte generell biologisch, frisch und gewaltfrei sein. Da passt ein Schnitzel nicht so recht ins Schema. Auch Eier gelten als „liquid chicken“ und stehen auf der Tabu-Liste.

Cheese, Chocolate, Coffee und Carbs sind die vier tödlichen „C“ für mich. Zu viele Kohlenhydrate machen mich plummsig und ich muss meinen aufgeschwemmten Körper über die Matte hieven. Kaffee versuche ich zu meiden, wo es geht. Falls ich doch mal einen guten Motivationskaffee vor der Praxis trinke, schramme ich später bereits in den Sonnengrüßen um Haaresbreite am Herzinfarkt vorbei. Ganz zu schweigen von der erhöhten Verletzungsgefahr, die mit im Gepäck daherkommt. Schokolade ist eigentlich an sich nicht das Problem – wohl aber der Zucker, der mich genau wie Kaffee hibbelig und unkonzentriert werden lässt. Nach zu viel Käsekonsum wiederum habe ich festgestellt, dass ich mich irgendwie „verklebt“anfühle. Alles nur Spinnerei? Möglich. Aber klar ist, dass ich in den letzten Jahren viel sensibler auf so manche Lebensmittel reagiere. Auch habe ich nach einer intensiven Session auf der Matte immer eher Appetit auf etwas Gesundes als auf die Familienpackung Eiscreme. Mein Hausarzt wird mit mir leider kein Geld verdienen, aber für meine Linie ist das super.

Wie du siehst, wurde mein Leben bereits komplett zum Besten ruiniert. Ich bin gespannt, was Yoga mit dir so anstellt. Sei wachsam und auf alles vorbereitet! Es könnte wirklich schrecklich werden.

Das Buch von Michaella Weller “Cross-Yoga für Sportler” gibt es hier!

Fotos und Videos by André Siodla MEDIA2MOVE

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2018-02-18T13:52:15+00:00 1 Comment

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